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Die Salbung in Bethanien
Predigt zu Mk 14,3–9

212 Palmarum, 29. März 2026, Frankfurt

Angemessen oder unangemessen – Auf jeden Fall extrem! Wenn man mal ausrechnet, was die Kosmetik kostet, die die Frau Jesus ins Haar schüttet.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater,
und dem Herrn Jesus Christus.
1 Amen.

Das Wort Heiliger Schrift, das diese Predigt auslegt,
steht geschrieben beim Evangelisten Markus
im 14. Kapitel. Markus erzählt:

3Als Jesus in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen
und saß zu Tisch,
da kam eine Frau,
die hatte eine Alabaster Flasche
2
mit unverfälschtem und kostbarem Nardenöl,
und sie zerbrach die Flasche
und goss es auf sein Haupt.

4Da wurden einige unwillig
und sprachen untereinander:

Was soll diese Vergeudung des Salböls?
5Man hätte dieses Öl
für mehr als 300 Dinare
3 verkaufen können
und das Geld den Armen geben.

Und sie fuhren sie an.

6Jesus aber sprach:

Last sie in Frieden!
Was betrübt ihr sie?
Sie hat ein gutes Werk an mir getan.
7Denn ihr habt allezeit Arme bei euch,
und wenn ihr wollt,
könnt ihr ihnen Gutes tun;
mich aber habt ihr nicht allezeit.

8Sie hat getan, was sie konnte;
sie hat meinen Leib im voraus gesalbt für mein Begräbnis.

9Wahrlich, ich sage euch:
Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt,
da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis,
was sie jetzt getan hat.

Lasst uns beten:
Herr, dein Wort ist meines Fußes Leuchte
und ein Licht auf meinem Wege!
— Amen

Liebe Schwestern und Brüder,

für diese Predigt habe ich die Form einer Homilie gewählt.
Das heißt,
ich werde unseren Predigttext aus dem Markus-Evangelium
abschnittsweise durchgehen
und jeweils einiges dazu sagen.

(1) Der erste Abschnitt
setzt die Szene
und führt die Hauptfiguren ein:

3Als Jesus in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen
und saß zu Tisch,
da kam eine Frau,
die hatte eine Alabaster Flasche
4
mit unverfälschtem und kostbarem Nardenöl.
Und sie zerbrach die Flasche
und goss es auf sein Haupt.

Auf meinem Badezimmer-Regal, unter dem Spiegel,
steht eine blaue Metalldose
Sween Georgie Brown mittelfeste Pomade.
Pomade war vor einigen Jahren „in“
und ich hab mir das so angewöhnt
und mag das auch noch.
Inzwischen ist die Mode weitergezogen
und Pomade wird nicht mehr so viel gekauft.
Die ersten Hersteller sind pleite
und Produkte verschwinden vom Markt;
so auch
Sween Georgie Brown.
Die gibt es nicht mehr zu kaufen.
Die letzten Bestände gibt es auf eBay
für 100–150 € pro Dose.
Ich habe also Pomade für 100,– € bei mir zu Hause! —
Wenn ich mich dann morgens frisiere,
nehme ich
Sween Georgie Brown ab und zu in die Hand,
mache die Dose auf,
rieche dran,
und stelle sie wieder weg.
Und wenn ich sie benutze,
benutze ich sie vorsichtig,
sparsam,
ich will,
das sie noch lange hält.
Ich kriege nie wieder eine neue Dose davon! —
So geht man mit kostbarer Kosmetik um.

Diese Frau nimmt eine Alabaster-Flasche.
Das ist so eine bauchige Flasche,
ein Handteller voll,
mit einem schlanken, langen Hals.
Sie bricht den Hals der Flasche durch.
Das heißt,
sie will das nicht nochmal für sich benutzen,
sie will nichts zurückbehalten,
sie will alles geben
für Jesus.

Die Frau erinnert mich an den Mann,
von dem Jesus erzählt,
um zu zeigen,
wie das Himmelreich ist.
Er sagt:
5

44Das Himmelreich gleicht einem Schatz,
verborgen im Acker,
den ein Mensch fand und verbarg;
und in seiner Freude ging er hin
und verkaufte alles, was er hatte,
und kaufte den Acker.

45Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann,
der gute Perlen suchte,
46und als er eine kostbare Perle fand,
ging er hin und verkaufte alles,
was er hatte,
und kaufte sie.

Das Himmelreich ist es wert,
das man alles dafür hergibt.
Das ist,
was die Frau für Jesus macht.
Sie muss glauben,
dass das Himmelreich
in Jesus gegenwärtig ist. —
Glaubst du das auch?

(2) Die Aktion ruft einigen Widerspruch hervor:

4Da wurden einige unwillig
und sprachen untereinander:

Was soll diese Vergeudung des Salböls?
5Man hätte dieses Öl
für mehr als 300 Dinare6 verkaufen können
und das Geld den Armen geben.

Und sie fuhren sie an.

Manche von Euch kennen bestimmt die Geschichte
von den Arbeitern im Weinberg,
wo der Hausherr ausgeht früh morgens
und mittags
und nochmal nachmittags, kurz vor Feierabend,
um Tagelöhner anzuheuern.
Der Lohn,
über den er sich mit den Tagelöhnern einig wird,
für einen Tag Arbeit,
ist ein Dinar.
Ein Mann, ein Tag, ein Dinar:
Das ist,
was ein einfacher Familienvater nach Hause gebracht hat.
300 Dinare sind ein Jahresgehalt;
brutto.

Diejenigen von Euch,
die arbeiten gehen:
Denk mal daran,
was bei Euch als Brutto
für das vergangene Jahr
auf der Steuererklärung stand.
Und jetzt stellt euch vor,
jemand kauft von so viel Geld
einen Luxusgegenstand,
so eine Alabaster-Flasche voller Salböl,
bricht der Flasche den Hals ab
und kippt es dem Jesus auf den Kopf. — 
Dann kriegt ihr ein Gefühl dafür,
wie überzogen das ist,
was die Frau hier macht.

Die Kritik der Jünger,
die das gesehen haben,
ist vollkommen angemessen.
Ganz egal,
ob es denen wirklich um die Armen ging oder nicht:
Das ist einfach unverhältnismäßig.

(3) Um so erstaunlicher ist Jesus’ Antwort:

6Jesus aber sprach:

Last sie in Frieden!
Was betrübt ihr sie?
Sie hat ein gutes Werk an mir getan.
7Denn ihr habt allezeit Arme bei euch,
und wenn ihr wollt,
könnt ihr ihnen Gutes tun;
mich aber habt ihr nicht allezeit.

Da wird schon der ein oder andere gedacht haben:

Für wen hält er sich,
dass er das für sich in Anspruch nimmt?

Das ist eine der wesentlichen Fragen,
die das Markus-Evangelium uns stellt:

Wer ist dieser?7

Wer ist Jesus,
dass auch Wind und Meer ihm gehorsam sind?
Wer ist Jesus,
dass er für sich in Anspruch nehmen kann,
so überschwänglich behandelt zu werden?
Wer ist Jesus,
dass er sich „Menschensohn“ nennt?

(4) Einen Schlüssel für die Antwort
liefert Jesus uns mit dem nächsten Satz seiner Antwort.
Er muss den Jüngern sehr geheimnisvoll erschienen sein:

8Die Frau hat getan, was sie konnte;
sie hat meinen Leib im voraus gesalbt für mein Begräbnis.

Wir alle müssen sterben und begraben werden.
Doch wer Jesus in letzter Zeit zugehört hat,
weiß, dass er noch von was anderem redet.

Wir gehen auf Karfreitag zu,
aber auch auf Ostern.
Jesus wird leiden und sterben,
er wird vom Kreuz genommen und begraben werden.
Aber weil das alles so schnell geschehen muss,
wird er nicht gesalbt werden,
bevor er ins Grab gelegt wird.
Die Ostergeschichte beginnt ganz oft mit den Frauen,
die genau das nachholen wollen.

Aber Jesus ist nicht hier, er ist auferstanden.8

Deshalb ist dieser Abend in Bethanien Teil der Passionsgeschichte,
als eine Salbung Jesu außerhalb der Reihenfolge.
Vielleicht prophezeit er über die Frau deswegen:

Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt,
da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis,
was sie jetzt getan hat.

Mich lässt diese Geschichte mit Staunen zurück
und einigen Fragen.
Wer ist denn Jesus für mich?

Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten,
der hat einen hellen Schein in unsere Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesucht Jesu Christi.
9 – Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus! Amen.

1 1.Kor 1,3


2 Luther: „Glas“. Alabaster ist so was ähnliches, aber ich bleibe jetzt mal am Text.


3 „Silbergroschen“


4 Luther: „Glas“. Alabaster ist so was ähnliches, aber ich bleibe jetzt mal am Text.


5 Aus Mt 13.


6 „Silbergroschen“


7 Mk 4,14, nach der Sturmstillung.


8 Mk 16,7


9 2Kor 4,6


Manuskript pdf, 519 KB)

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