Christi Auferstehung und unsere
Predigt zu 1.Kor 15,1–28
Die Erkenntnis der Auferstehung wird von Christus geschenkt.
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater,
und dem Herrn Jesus Christus.1 Amen.
Das Wort Heiliger Schrift, das diese Predigt auslegt,
ist der Anfang des 15. Kapitels
im 1. Brief des Paulus an die Korinther.
Wir haben gerade einen Teil davon als Epistel gehört;
ich werde uns den Gedankengang darlegen
und einige Verse im Verlaufe der Predigt vorlesen.
Lasst uns beten:
Herr Jesus Christus,
sprich zu uns durch das Wort der Predigt,
damit wir deine Stimme hören,
zeige dich uns, damit wir dich sehen,
rühre unser Herz an, damit wir glauben.
— Amen
Liebe Schwestern und Brüder,
(1) der Anfang unseres Kapitels heute Morgen
erfüllt die Aufgabe der Oster-Predigt.
Der Apostel schreibt:
Ich erinnere euch aber an das Evangelium,
das ich euch verkündigt habe,
das ihr auch angenommen habt,
in dem ihr auch fest steht.
Die spezifische Seite des Evangeliums,
von dem Paulus hier redet,
bekennen wir in fast jedem Gottesdienst
mit ungefähr diesen Worten:
Ich glaube Jesus Christus,
Gottes eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten…
Eigentlich müsste ich in jedem Gottesdienst,
wenn das Glaubensbekenntnis gesprochen ist,
sagen:
Puh, ein Glück!
Es hat sich wieder keiner getraut,
Rückfragen zu stellen!
Denn ich weiß nicht,
ob ich in dem Moment
eine richtig gute, passende Antwort hätte.
Die Auferstehung ist weltlich betrachtet kaum plausibel.
Das wird immer mal behauptet,
aber die Auferstehung als medizinische Kuriosität erklärt wird,
ist sie wohl kaum die Erlösung von den Sünden.
Paulus beruft sich darauf,
dass er das Evangelium von der Auferstehung
selbst empfangen hat
und dass Christus „gesehen worden“ sei
- von Petrus,
- von den Zwölfen,
- von 500 Brüdern,
- von Jakobus, Jesus’ Bruder, und „allen Aposteln“
- und zuletzt,
„als einer unzeitlichen Geburt“,
von Paulus selbst.
Christus „ist gesehen worden von“.
Die BasisBibel formuliert:
„Christus hat sich gezeigt“,
- dem Petrus,
- den Zwölfen,
- den 500,
- Jakobus und allen Aposteln
- und zuletzt: Paulus.
Damit macht die BasisBibel deutlich,
was Luther (zusammen mit dem griechischen Text!)
vornehm, vorsichtig und demütig
im Passiv verbirgt:
Die Erkenntnis der Auferstehung
wird von Christus geschenkt.2
Paulus schreibt an dieser Stelle
über sein Apostelamt:
10Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.
Und das gilt genau so für uns.
Durch Gottes Gnade sind wir gläubig geworden.
So macht es auch Sinn,
was Paulus schreibt:
11Es sei nun ich oder die anderen Apostel:
So predigen wir,
und so habt ihr geglaubt.
Wenn ein Mensch an Christus glaubt,
ist das immer ein Wunder.
Das kann einhergehen mit einem außergewöhnlichen Erlebnis,
wie bei Paulus.
Aber auch ein ganz unscheinbares Glaubensleben
ist nicht weniger Wunder.
Ein ganz leises Wort unter Freunden
ist ein echtes Zeugnis,
und eine wirkmächtige Predigt,
wenn der Herr den Glauben schenkt.
So ist es in Korinth geschehen,
so geschieht es in Frankfurt
und so geschieht es da,
wo du bist.
(2) Im nächsten Abschnitt
setzt sich Paulus mit Korinthern auseinander,
die zwar glauben:
Jesus ist auferstanden,
aber die Auferstehung der Toten,
die glauben sie nicht.
Paulus besteht darauf,
dass das zusammengehört:
13Gibt es keine Auferstehung der Toten,
so ist auch Christus nicht auferstanden.
Ist aber Christus nicht auferstanden,
so ist unsre Predigt vergeblich,
so ist auch euer Glaube vergeblich.
Und er endet diesen Abschnitt
mit einer ganz überraschende Bemerkung.
Er schreibt:
19Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus,
so sind wir die elendesten unter allen Menschen.
Die Korinther haben das umgekehrte Problem von uns.
Bei uns steht ganz oft das nächste Leben im Mittelpunkt.
Karfreitag noch:
Die „Offene Schuld“ endet mit der Zusage:
Wer glaubt und getauft ist,
der wird selig werden.
Das verleihe Gott uns allen.
Da schalte ich sofort auf „Ewigkeit“.
Die Korinther,
die haben ihren Glauben erlebt,
als etwas,
das wirksam ist
hier-und-jetzt.
- Die haben ihr Gebet erlebt
als ein Geschenk des Heiligen Geistes. - Worte ihrer Brüder und Schwestern in der Gemeinde
haben sie als Gottes Wort für sich selbst erlebt:
prophetische Rede. - Manche konnten von der Weisheit lehren,
andere von der Erkenntnis berichten. - Sie haben die Kraft erlebt, Wunder zu wirken;
sicher kleine wie große; - die Kraft, gesund zu machen,
- und wichtig:
die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden.3
An anderer Stelle bezeichnet Paulus den Heiligen Geist
als das „Angeld“, den „Unterpfand“ für das himmlische Heil.4
Er ist Gottes Anzahlung,
an der wir sehen,
dass er es ernst meint,
die Versicherung dafür,
dass das volle Heil noch aussteht.
Wenn ich diese Geistesgaben aufzähle,
dann denken vielleicht manche an charismatische Gemeinden,
wo alles so schick und strahlend ist
und die Leute ständig über ihre Geistesgaben reden.
Doch ein Leben im Geist kann sehr unterschiedlich aussehen.
Gerade hier, in dieser, unserer, Gemeinde
lebt der Heilige Geist.
- In und unter der Gemeinschaft
ist himmlische Gemeinschaft gegenwärtig. - In und unter der Kunst und der Musik
findet Verkündigung statt
und prophetische Rede. - Hier ist Gottes Wort im Menschenwort
für uns.
(3) Genau, wie unser Glaubensleben hier-und-jetzt
nicht abgerissen ist von der himmlischen Wirklichkeit,
so ist auch unsere Auferstehung der Toten vorweggenommen
in der Auferstehung Christi.
Paulus schreibt:
20Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten
als Erstling unter denen, die entschlafen sind.
21Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist,
so kommt auch durch einen Menschen5
die Auferstehung der Toten.
22aDenn wie sie in Adam alle sterben,
so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden.
„Adam“ heißt „Mensch“
und er ist ein Stellvertreter für dich in deinem Streit mit Gott.
Adam sind nicht „der Mensch“ als Spezies,
oder abstrakt „die Menschheit“,
sondern er ist ein konkreter Mensch,
den du findest,
wenn du bei deinen Eltern suchst,
und bei deren Eltern vor ihnen,
und bei deren Eltern vor ihnen.
Du weißt, was du von ihnen geerbt hast
und du weißt, was du von ihnen mitschleppst.
Da, wo du scheiterst am Willen Gottes,
da scheitert Adam. —
Doch Gott lässt das nicht so stehen.
Er schickt einen neuen Stellvertreter.
Wie Adam und wie du,
ist er ein konkreter Mensch:
Jesus Christus.
Als Christus stirbt, bist du der Sünde gestorben.
Er hat Adams Scheitern mit in den Tod genommen
und seine Auferstehung
reißt Adam aus der Verstrickung des Todes
in ein neues Leben.
Durch ihn [hat Gott] des Heil
des menschlichen Geschlechtes vollbracht
am Stamme des Kreuzes –
und wie der Tod durch Adams Ungehorsam
am Baum des Paradieses an Anfang genommen,
so ist am Holz des Fluches
das Leben wieder entsprossen
durch seines Sohnes Gehorsam.6
Sein Segen und sein Leben sei mit dir,
jetzt und allezeit und in Ewigkeit – Amen.
P: Der Herr ist auferstanden. G: Er ist wahrhaftig auferstenden!
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus!7 Amen.
1 1.Kor 1,3
2 ὤφθη, 3. Person singular Aorist Indikativ Passiv von ὁράω; terminus technicus für Gottes Sich-sehen-lassen, insb. 1.Kor 15, vgl. M. Hauger „Die Deutung der Auferweckung Jesu Christi durch Paulus“, in M. Welker et al. „Die Wirklichkeit der Auferstehung“, Neukirchen/V, 2004, S. 35 und S. 38f. Die Vokabel im Passiv ist in so fern interessant, als dass der Vorgang der Offenbarung mit einem theologischen Passiv ausgedrückt ist. Der Agens ist Gott.
3 Vgl. 1.Kor 12.
4 2.Kor 1,22; 5,5; Eph 1,14
5 Der Fettdruck des Artikels „einen“ Menschen (2⨉) in LUT84 ist m.E. irreführend. Da steht kein Zahlwort, da steht auch kein Artikel. Der Vers hebt ab auf die Affinität zwischen den Menschen Adam und Christus. Das ist konkret gedacht, wo wir im Abendland abstrakt denken wollen. Die Frage nach der Historizität Adams lenkt uns hier freilich vom Wesentlichen ab: Der konkrete adam hier bist du.
6 Das ist die Präfation von Judika bis Gründonnerstag, Agende I S. 74f.
7 Phil 4,7
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