13:26

Das Wort von der Auferstehung
Predigt zu 2.Tim 2,8–13

215 Osternacht, 4.4.2026, Frankfurt

Wenn man die Auferstehung und unser Leben mit Gott gemeinsam anschaut, als eine Erinnerung mit zwei Seiten in eins, erdet das den Glauben an die Auferstehung und es macht unser Leben auf der Erde himmlisch.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater,
und dem Herrn Jesus Christus.
1 Amen.

Das Wort Heiliger Schrift, das diese Predigt auslegt,
ist ein Abschnitt aus dem 2. Brief an Timotheus
im 2. Kapitel. Der Apostel schreibt:

8Halt im Gedächtnis Jesus Christus,
der auferstanden ist von den Toten, –
aus dem Geschlecht Davids,
nach meinem Evangelium,

9für welches ich leide bis dahin,
dass ich gebunden bin wie ein Übeltäter; —
aber Gottes Wort ist nicht gebunden.

10Darum dulde ich alles um der Auserwählten willen,
damit auch sie die Seligkeit erlangen in Christus Jesus
mit ewiger Herrlichkeit.

11Dies Wort ist glaubwürdig:
Wenn wir mitsterben, werden wir mitleben;
12wenn wir mit-erdulden,
werden wir die Königswürde mit-tragen;
2
verleugnen wir, so wird er uns auch verleugnen;
13sind wir untreu, so bleibt er doch treu;
denn er kann sich selbst nicht verleugnen.

Lasst uns beten:
Dein Wort, o Herr,
ist zuverlässig und treu.
Wecke in uns Glauben,
der deiner True gemäß ist,
regiere in unseren Herzen,
und führe uns zu Gerechtigkeit,
schenke uns das Leben der Auferstehung,
damit wir leben mit dir.
— Amen

Liebe Schwestern und Brüder,

(1) Erinnerung

immer,
wenn ich meinen Lötkolben in die Hand nehme,
denke ich an meinen Onkel Winni.
Der hat mir nämlich das Löten beigebracht.

Das war einer meiner Geburtstage als Teenager
und ich wollte was bauen für meine Modellbahn,
irgendwas das blinkt oder leuchtet oder so.
Der Lötkolben war sein Geburtstagsgeschenk
und am nächsten Tag saßen wir in meinem Zimmer.
Dann steckt er den Lötkolben ein und erklärt:

Bis der Lötkolben heiß ist,
dauert sieben Minuten.
Das ist eine Zigarettenlänge.

Darauf holte er eine Kippe raus,
legte sie in die dafür vorgesehene Delle seiner Unterlippe
und rauchte erst mal eine Zigarette.
In meinem Zimmer.
Kann sich heute niemand mehr vorstellen!

Wir fingen dann an
und Winni meinte:

Die Lötdämpfe sollte man nicht unbedingt einatmen.

Das war der Sicherheitshinweis.
Dass das auch für Zigarettenrauch gelten könnte,
war damals noch nicht so im Horizont.

Dann löteten wir zusammen Bauteile
in eine Lochrasterplatte.
Manches wusste ich schon:
Bei einigen muss man aufpassen,
wie rum man ein Bauteil einsetzt,
– das lange Beinchen ist „+“ –
und ich habe meine ersten Erfahrungen gemacht,
dass das spitze Ende vom Lötkolben sehr, sehr heiß ist.

Seit Kurzem,
baue ich wieder Modellbahn
und habe mir einen neuen Lötkolben gekauft,
so eine Lötstation,
ganz modern,
mit digitaler Temperatursteuerung – solchen Sachen. —
Ich bin erst mal schier verzweifelt!
In den 30 Jahren,
seit Onkel Winni mir das Löten beigebracht hat,
hat sich die ganze Lötchemie verändert.
Es wird kein Blei mehr verwendet,
denn das ist ja giftig.
Ich musste Löten erst mal neu lernen.
Trotzdem ist die Erinnerung an Onkel Winni sehr lebendig
und hat mich begleitet bis heute.

Der Apostel schreibt:

8Halt im Gedächtnis Jesus Christus,
der auferstanden ist von den Toten, –
aus dem Geschlecht Davids,
nach meinem Evangelium.

An zwei Eckdaten
macht Paulus sein Evangelium fest:
Dass Jesus auferstanden ist
und dass er aus der Familie von König David stammte.
„Der Auferstandene
steht in einer menschlichen Geschichte“.
3

Die Bibel dokumentiert die Geschichte Gottes mit uns
als die Geschichte des Volkes Israel.

  • Abrahem, Isaak und Jakob lebten als Nomaden.
    Gott war mit ihnen.
  • Israel wurde, mehr oder weniger freiwillig,
    sesshaft in Ägypten.
    Gott hörte ihr Schreien und ihre Klagen.
  • Sie erlebten den Abenteuerlichen Auszug aus der Sklaverei
    und Gott wirkte sichtbar Wunder unter ihnen.
  • Im gelobten Land haben sie als Stämme gelebt,
  • bevor sie Gott um einen König baten,
    der sie als ein Volk vereinigt und führt.

Das Leben hat sich verändert,
aber Gott war die Konstante unter ihnen,
der Glaube ihre Verbindung zu ihm.
Für diesen Glauben
ist König David ein Vorbild und ein Held.

Genau, wie die große Geschichte des Volkes Israel
hat mein Leben ja auch eine Geschichte.
Und da hat sich viel verändert,
nicht nur die Lötchemie.
Ich habe viel gelernt,
oft durch Fehler,
manchmal durch Scheitern
und meistens durch die Geduld der anderen.
Neue Beziehungen sind entstanden;
doch es sind auch Freundschaften eingeschlafen
und Liebe ist zerbrochen.
Verletzungen haben Narben hinterlassen
und meine Sünde hat Schuld hervorgebracht.
Doch ich habe auch Vergebung erlebt
und so manchen Neuanfang.

Der Apostel redet hier von König David
und der Auferstehung in einem Atemzug.
Die Auferstehung ist der Einbruch des Himmels in die Welt.
Für die Welt ist das schwer zu fassen.
Der Glaube an die Auferstehung
wirkt deswegen manchmal abgehoben und fremdartig.
Wenn man aber
- die Auferstehung
- und unser Leben mit Gott
gemeinsam anschaut,
– als eine Erinnerung mit zwei Seiten in eins, –
erdet das den Glauben an die Auferstehung
und es macht unser Leben auf der Erde himmlisch.

(2) Gottes Wort

Liebe Gemeinde,
der Apostel schreibt uns den Brief aus dem Gefängnis.
Weltliches Leiden
und irdische Begrenzungen sind ihm gerade sehr bewusst.
Er schreibt:

9Für [das Evangelium] leide ich bis dahin,
dass ich gebunden bin wie ein Übeltäter; —
aber Gottes Wort ist nicht gebunden.

Das Wort Gottes
hat ein Eigenleben,
ihm liegt eine eigene Durchsetzungskraft inne.

Du kannst den Sänger in Ketten legen,
aber niemals sein Lied.
4

In diesen Zeilen
steckt natürlich der Traum des Künstlers,
dass das Kunstwerk mehr ist,
als die Summe seiner Teile.
Im Grunde genommen
ist das der Schatten der Hoffnung,
die am Evangelium wahr geworden ist.

Die Kunst kann so prophetisch sein,
wie die Prophetie poetisch ist. —
Für die Psalmen ist das offensichtlich,
aber auch weite Teile der Prophetenbücher
von Jesaja und Jeremia und den anderen
sind Dichtung und Drama.
Selbst die Erzählungen der Geschichtsbücher
werden des öfteren von Liedern unterbrochen.

Wie Musik unser Herz anrührt
und Materie zum Schwingen bringt,
redet das Evangelium in unser Leben.
Es macht etwas mit uns,
es weckt Glauben
und stiftet Gemeinschaft.

Der Apostel mag gebunden sein
und im Gefängnis sitzen,
aber seine Worte erreichen uns noch hier in Frankfurt.
Das Wort mag dem Missverständnis ausgesetzt sein
und selbst dem Missbrauch durch das Böse,
aber es ist
Gottes Wort
und man kann es nicht fesseln.

10Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt
und nicht wieder dahin zurückkehrt,
sondern feuchtet die Erde
und macht sie fruchtbar
und lässt wachsen,
dass sie gibt Samen, zu säen,
und Brot, zu essen,
11so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen,
sondern wird tun, was mir gefällt,
und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.

…spricht der Herr durch den Propheten Jesaja
im 55. Kapitel.

(3) Die Asymmetrie von Zorn und Gnade

Unser Abschnitt endet so:

11Dies Wort ist glaubwürdig:
Wenn wir mitsterben, werden wir mitleben;
12wenn wir mit-erdulden,
werden wir die Königswürde mit-tragen; —
verleugnen wir, so wird er uns auch verleugnen;
13sind wir untreu, so bleibt er doch treu;
denn er kann sich selbst nicht verleugnen.

Der Apostel verwebt für uns Mahnung und Zuspruch.
Er erinnert uns daran,
dass Christus uns angenommen hat
und unser Leben mit uns teilt.
Doch unser Leben ist nicht immer einfach.
Paulus saß für seinen Glauben im Gefängnis
und wir stecken trotz unseres Glaubens
in den Schwierigkeiten,
das Leben nun mal mit sich bringt.
Selbstverständlich stellt das unseren Glauben in Frage,
aber Christus wird uns nicht im Stich lassen,
selbst, wenn wir zweifeln.

Petrus hat Jesus drei mal verleugnet
und er hat ihm trotzdem nicht die Freundschaft gekündigt.

Gottes Zorn währet einen Augenblick,
aber lebenslang seine Gnade.
5

Deswegen sollen wir auch in schweren Zeiten
mit Bitten und Klagen zu Gott kommen.

Das ist nicht nur ein einfaches
„Nach dem Regen kommt der Sonnenschein“,
sondern „nach Karfreitag kommt Ostern“.
- Die Geschichte der Schöpfung,
- die Geschichte von Jesus
- und deine Lebensgeschichte
sind miteinander verbunden.
Und das Beste kommt zum Schluss:
Das Himmelreich steht noch aus.

12Wenn wir mit-erdulden,
werden wir die Königswürde mit-tragen.

Die Königswürde Davids
ist seine ungebrochene Gottesbeziehung.
Sein ganzes Leben lang,
auch in seinen tiefsten Tiefen
und in der Schuld der Sünde,
hat David Gott nie losgelassen. — 
Und Gott hat ihn gehalten.

So gehen wir unseren Weg mit Christus,
sein Wort ist unser Licht
der Glaube unser Antrieb.

Amen.

P: Der Herr ist auferstanden.
G: Er ist wahrhaftig auferstenden!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus!6 Amen.

1 1.Kor 1,3


2 πιστὸς ὁ λόγος· εἰ γὰρ συναπεθάνομεν, καὶ συζήσομεν· εἰ ὑπομένομεν, καὶ συμβασιλεύσομεν. — Es ist ein Jammer, dass die Stichwortverknüpfung der Motive Glauben (πιστὸς) und mit- (συν–) nicht besser wiedergeben sind. Meiner eigene Formulierung gelingt wenigstens das zweite Anliegen, obwohl sie etwas holpert.


3 Diesen wertvollen Hinweis verdanke ich A. Rademacher, aus einem Arbeitsmaterial des kath. Bibelwerkes (D/A/CH) z. St.


4 „Sänger in Ketten“ auf dem Album „Ohne Maske“, 1989. Songwriter: Udo Juergens und Friedhelm Lehmann.


5 Ps 30,6


6 Phil 4,7


Manuskript pdf, 354 KB)

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1.Thess 4,13–18, Osternacht

Das letzte Wort bei einer Bestattung am Grab ist nicht an den Verstorbenen gerichtet, sondern an die „Übriggebliebenen, die Lebenden“. Dieser Predigtabschnitt verkündigt dort am Grab das Evangelium der Auferstehung.

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Jes 26,13–19, Osternacht

Der Herr Jesus Christus geht mit uns, wenn wir vom Alten ins Neue gehen: neue Situationen, neue Lebensumstände und Lebensabschnitte. Er ist uns in Allem vorausgegangen, sogar durch Leiden und Tod – und seine Auferstehung ist deine Auferstehung.