13:56

Elemente werden im Feuer vergehen
Predigt zu 2.Petr 3,3–13

98 Ewigkeitssonntag, 20. November 2022, Frankfurt am Main

Die jungen Leute zweifeln. Die erste Generation der Christen stirbt langsam weg. Sie, die Jesus noch „im Fleisch“ erlebt haben, sind nicht mehr da. Um sie im Glauben zu bestärken, beruft sich der Apostel auf die Bibel und einen ganze starken Glauben an das, was Jesus gesagt hat.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater,
und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Das Wort Heiliger Schrift, das diese Predigt auslegt,
steht im 2. Petrusbrief im 3. Kapitel.
Ich ihn uns abschnittsweise vorlesen und auslegen.

Lasst uns beten:
Herr Gott, himmlischer Vater,
komme zu uns in deinem Heiligen Geist
und lass so den Brief des Apostels
zu einem Brief an uns werden. — Amen

Liebe Brüder und Schwestern,

der Apostel schaut auf die junge Kirche,
begegnet den Christen –
nicht ganz der ersten Generation,
aber der zweiten Generation.
Unter ihnen nimmt er eine Unruhe wahr.
Diese beschreibt er so:

3Ihr sollt vor allem wissen,
dass in den letzten Tagen Spötter kommen werden,
die ihren Spott treiben,
ihren eigenen Begierden nachgehen
4und sagen:

Wo bleibt die Verheißung seines Kommens?

Denn nachdem die Väter entschlafen sind,
bleibt es alles, wie es von Anfang der Schöpfung gewesen ist.

Die erste Generation der Christen
waren noch Augen- und Ohrenzeugen von Jesus.
- Sie haben seine Predigt gehört.
- Sie haben ihn erlebt in seiner Vollmacht.
- Sie sind ihm begegnet, als er auferstanden war.
Doch diese Generation stirbt langsam aus.
Mit ihnen die die lebendige Erinnerung
an Jesus „im Fleisch“.
Die jungen Leute fangen an zu zweifeln, –
an dem, was Jesus gesagt hat,
und und an dem,
was die Apostel als Lehre der Kirche vertreten.
Sie fragen ganz offen:

„Wo bleibt die Verheißung seines Kommens?“

Schaut euch doch mal um:
Die Welt läuft weiter,
wie sie immer gelaufen ist.

Die nächste Generation verliert die Hoffnung.
Sie fragen sich,
ob das wirklich stimmt,
was Jesus gesagt hat:

2In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen.
Wenn’s nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt:
„Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten“?
3Und wenn ich hingehe,
euch die Stätte zu bereiten,
will ich wiederkommen
und euch zu mir nehmen,
damit ihr seid, wo ich bin.

„Jesus,
wir möchten da sein,
wo du bist,
aber guck dich doch mal um:
Es ist alles noch so,

wie es von Anfang der Schöpfung gewesen ist.

Entweder du willst die Welt nicht verändern,
oder du kannst es nicht.
Jedenfalls sehen wir keine Wunder links und rechts“.

Das ist die Sorte Einwand,
gegen die der Apostel sich wendet.

Darauf entgegnet er:

5Denn [diese Spötter] wollen nichts davon wissen,
dass der Himmel vorzeiten auch war,
mitsamt der Erde.
Die hatten
- aus Wasser
- und durch Wasser
Bestand
durch Gottes Wort.
6Dennoch wurde damals die Welt –
durch Wasser –
in der Sintflut vernichtet.
7So werden auch der Himmel, der jetzt ist,
und die Erde, [die jetzt ist,]
durch dasselbe Wort aufgespart für das Feuer,
bewahrt für den Tag des Gerichts
und der Verdammnis der gottlosen Menschen.

Also mit anderen Worten:
Das Wort Gottes ist es,
das die Welt im Innersten zusammenhält.
Gottes Wort hat die Welt ins Dasein gerufen
und Gottes Wort hat sie in der Sintflut neu gemacht.
Und Gottes Wort verspricht:
Genau so wird die Welt neu gemacht,
am Tag des Herrn. —

Auf den Zweifel der jungen Leute
antwortet der Apostel mit biblischer Geschichte.
Hier findet sein Glaube Rückhalt.

Man sollte meinen,
wir würden über solchen Zweifel müde lächeln:

Die erste Generation ist gestorben?
Wir leben im Jahr 2022.
Schaut mal,
wie groß unser Abstand zu Jesus ist!

Doch wir kennen den Zweifel auch.

Als Gemeinschaft brechen für uns Selbstverständlichkeiten weg.
Der Glaube ist unserer Gesellschaft fremd geworden.
Viele der Älteren unter uns
sitzen ohne ihre Kinder und Enkel in der Kirche.
Da möchte man doch Jesus fragen:

Herr,
dein Wort hält die Welt im Innersten zusammen.
Warum sprichst du nicht zu den Menschen,
die ich lieb habe?

Wann wirkst du ein Wunder,
so dass sie dich sehen?

Wann rufst sie zur Predigt
und zum Sakrament?

Auch in unserem persönlichen Leben
könnten wir Wunder gut gebrauchen:

Herr,
dein Wort hat so viel Macht!
Warum hast du mich nicht eher angeredet?

Warum hast du mich so lange
auf dem falschen Weg gehen lassen?

Wann kommt denn der Tag,
an dem ich Frieden finde?
An dem ich zu Hause bin,
sicher und geborgen? —

Einige von uns haben eine schriftliche Einladung bekommen
zu diesem Gottesdienst heute morgen.
Das sind diejenigen,
die in diesem Jahr
einen lieben Menschen zu Grabe getragen haben.

Der Tod kommt immer zur Unzeit.

Für den ein oder anderen mag der Tod eine Erlösung sein,
aber im Grunde wissen wir,
dass die Welt so nicht gehört.
Gott will nicht unseren Tod,
er will unser Leben.

Wir fragen uns: Warum?
Und: Warum jetzt?

Der Apostel schreibt:

8Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, –
dass ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist
und tausend Jahre wie ein Tag.

9Der Herr verzögert nicht die Verheißung,
wie es einige für eine Verzögerung halten;
sondern er hat Geduld mit euch
und will nicht, dass jemand verloren werde,
sondern dass jedermann zur Buße finde.

Denkt an eine lange Autofahrt als Kind.

„Sind wir bald da?“

„Ja, in fünf Minuten“.

Nach gar nicht so langer Zeit schon wieder:

„Sind wir bald da?“

„Ja, in fünf Minuten“.

„Vor einer Stunde hast Du auch schon gesagt:
‚in fünf Minuten‘“.

Als Kind hat man noch nicht so wirklich ein Zeitgefühl.

Das finde ich aber gar nicht das Entscheidende:
Die Wirklichkeit der Zeit
unterscheidet für Gott und für uns.

Wichtig ist mir:
Unser Leben ist ein Familienauto.

Es riecht nach Familie

und die Polster tragen die Spuren
der Getränke- und Flüssigkeitsunfällen der letzen Jahre.

Alles ist ein bisschen klebrig

und überall liegen Brötchenkrümel ’rum.

Aber am Steuer sitzt unser Vater –
oder unsere Mutter –
und die meinen es gut mit uns.
Die wissen, wo es langgeht.
Die fahren uns zu einem guten Ziel.
Selbst wenn das Ziel mal ein Arzt ist,
der uns in den Arm pikt:
Unser Vater ist nie gegen uns, sondern für uns. —

Für den Apostel stehen diese Dinge auf einer Linie:

das Leben und Ergehen des Einzelnen Menschen
mit seinem Lebenswandel,

der Glaube und der Segen auf seiner Gemeinde

und die ganze Schöpfung vor Gott.

Er schreibt das so:

10Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb;
dann werden die Himmel zergehen mit großem Krachen;
die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen,
und die Erde und die Werke, die darauf sind,
werden ihr Urteil finden.

11Wenn nun das alles so zergehen wird,
wie müsst ihr dann dastehen
in heiligem Wandel und frommem Wesen,
12die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und erstrebt,
an dem die Himmel vom Feuer zergehen
und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden.

13Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung,
in denen Gerechtigkeit wohnt.

Der Weltuntergang ist nicht das Ende,
sondern ein Neuanfang.
Der Tod ist nicht das Ende,
sondern ein Übergang.

Dies kommt nicht automatisch,
also von sich aus,
sondern von Gott her.
Er ist unser Schöpfer und Vater im Himmel.
Er hat die Elemente gemacht
und er wird sie neu machen,
so dass Gerechtigkeit herrscht auf der ganzen Welt
und Harmonie unter allen Geschöpfen.

Dieser liebende Vater begegnet uns im Sohn.
Deswegen redet der Apostel zum Schluss von
„frommen Wesen“ und „heiligem Wandel“.
Er will ja eine neue Generation ansprechen,
die sich fragt,
was sie mit Jesus noch anfangen sollen.

In Jesus ist die zukünftige Welt schon Gegenwart.
Seit deiner Taufe
stehst du mit einem Bein im Himmelreich.

- In seinem Wort,
- in seiner Gemeinschaft
- und in seinem Abendmahl
kommt er zu dir
und lebt dein Leben mit dir mit.

Auch da –
und gerade da! –
wo dein Leben nicht einfach ist.

Auf deiner Lebensfahrt weißt du vielleicht nicht,
wie lange die nächsten „5 Minuten“ sind.
Aber darauf kannst du dich verlassen:
Dein Vater, der dich liebt, ist am Steuer
und dein Bruder Jesus Christus ist bei dir
bis zum Schluss.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus! Amen.

This world is not my home
I’m just a-passing through.

My treasures and my hopes

are placed beyond the blue.

Many friends and kin

have gone on before.

And I can’t feel at home

in this world anymore.

Oh Lord, you know

I have no friend like you.

If heaven’s not my home

Then Lord, what will I do?

Angels beckon me

to heaven’s open door.

And I can’t feel at home

In this world anymore.

I have a loving mother

up in Gloryland

and I don’t expect to stop

until I shake her hand.

She’s waiting now for me

in heaven’s open door

and I can’t feel at home

in this world anymore.

Oh Lord, you know

I have no friend like you.

If heaven′s not my home

Then Lord, what will I do?

Angels beckon me

to heaven’s open door

and I can′t feel at home

in this world anymore.

(Traditional, as performed by The Bedquilt Ramblers
for Kentucky Route Zero)

 1.Kor 1,3

 Joh 14,2–3

 2.Petr 3,4

 Vgl. Hes 33,11.

 Phil 4,7