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Der Herr redete mit euch
Predigt zu Dtn 4,5–12a

225 10. So. n. Trinitatis, 9. August 2026, auf dem Frankfurter Lohrberg

Gott redet mit den Israeliten aus dem Vulkanausbruch wie er zu Mose aus dem brennenden Dornbusch geredet hat. Unser Vulkan ist in Nazareth, unsere Finsternis, Wolken und Dunkel waren auf Golgatha und wir begegneten dem Wort Gottes in Jesus Christus, dem auferstandenen Herrn.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater,
und dem Herrn Jesus Christus.
1 Amen.

Das Wort Heiliger Schrift, das diese Predigt auslegt,
steht geschrieben im Buch Deuteronomium,
dem 5. Buch Mose, im 4. Kapitel.
Das Volk Israel ist im Begriff, das Gelobte Land zu betreten,
und Mose sagt ihnen:

5Sieh, ich hab euch gelehrt Gebote und Rechte,
wie mir der
Herr, mein Gott, geboten hat,
dass ihr danach tun sollt im Lande,
in das ihr kommen werdet,
um es einzunehmen.
6So haltet sie nun und tut sie!
Denn dadurch werdet ihr als weise und verständig gelten
bei allen Völkern, dass,
wenn sie alle diese Gebote hören,
sie sagen müssen:

Ei, was für weise und verständige Leute sind das,
ein herrliches Volk!

7Denn wo ist so ein herrliches Volk,
dem ein Gott so nahe ist wie
uns der
Herr, unser Gott,
sooft wir ihn anrufen?
8Und wo ist so ein großes Volk,
das so gerechte Ordnungen und Gebote hat
wie dies ganze Gesetz,
das ich euch heute vorlege?

9Hüte dich nur und bewahre deine Seele gut,
dass du nicht vergisst,
was deine Augen gesehen haben,
und dass es nicht aus deinem Herzen kommt
dein ganzes Leben lang.
Und du sollst
deinen Kindern und Kindeskindern kundtun
10den Tag,
da du vor dem
Herrn, deinem Gott, standest
an dem Berge Horeb,
als der
Herr zu mir sagte:

Versammle mir das Volk,
dass sie meine Worte hören
und so mich fürchten lernen alle Tage ihres Lebens auf Erden
und ihre Kinder lehren.

11Da tratet ihr herzu und standet unten an dem Berge;
der Berg aber stand in Flammen bis in den Himmel hinein,
und da war Finsternis, Wolken und Dunkel.
12aUnd der Herr redete mit euch mitten aus dem Feuer.

Lasst uns beten: Herr, dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege!2 — Amen

Liebe Schwestern und Brüder,

(1) ich fahre auf dem Weg nach Frankreich
auf der rechten Spur der Autobahn 130,
Richtgeschwindigkeit.
Da überholt mich ein Auto,
schneidet mich knapp,
so dass ich scharf bremsen muss,
schlängelt sich von der einen auf die andere Spur der Abfahrt
und verschwindet in der Kurve.

Was habe ich mich geärgert!

Das war vermeidbar und gefährlich.
Am meisten habe ich mich geärgert,
dass hinten auf dem Auto ein Fisch geklebt hat.

Ei, was für weise und verständige Leute sind das,
ein herrliches Volk!

Von einem Christenmenschen erwartet man landläufig,
dass er sich besonders gerne an die Regeln hält.

5Sieh, ich hab euch gelehrt Gebote und Rechte,
wie mir der
Herr, mein Gott, geboten hat…

sagt Mose,

6So haltet sie nun und tut sie!

Der Prophet hat selbstverständlich recht:
Den Willen Gottes zu tun,
ist nicht optional.
Freilich ist es der Geist des Gesetzes der zählt.

Denn der Buchstabe tötet,
aber der Geist macht lebendig.
3

Das Problem an dieser Auffassung ist freilich,
dass so die Überprüfung des Gesetzes bei Gott bleibt.
Würde der Wille Gottes am Buchstaben hängen,
wären die Schriftgelehrten Richter unserer Taten.
Hängt er am Geist,
ist Gott allein der Richter
und menschliche Autoritäten verlieren an Bedeutung.
Christus lehrt:

Richtet nicht,
auf dass ihr nicht gerichtet werden.
4

Der Passiv hier steht für Gott!

Wir müssen alle offenbar werden
vor dem Richterstuhl Christi.
5

Ihm ist das Reich übergeben, nicht uns.

Und was machen wir jetzt mit der Straßenverkehrsordnung?
Wird Christus den Fahrer zurechtweisen im letzten Gericht
oder wird er
mich freundlich aber bestimmt daran erinnern,
dass ich mich ja so sehr gar nicht hätte ärgern brauchen?

Man kann den Eindruck haben,
als hätten es die Menschen,
die ein starres Gesetz für sich erwählt haben,
einfacher im Leben.
In der christlichen Theologie und Kirchengeschichte
gibt es eine deutliche Tendenz dazu.
6
Doch am Ende
machen wir Gottes Gesetz zu unserem eigenen Gesetz
und uns selbst zum Maßstab der Dinge.

  1. Sexuelle Reinheit? — So viel die Scheinheiligheit hergibt.
  1. Der Zeitgeist ist böse! — Abgrenzung nach außen ist unser Mittel. Der Heilige Geist weht wo und wann er will.
  1. Jedem Sonntag zur Kirche gehen — ob man es glaubt, oder nicht.

Solches Gesetz braucht niemand. —
Jetzt denke niemand,
ich würde predigen,
- dass man Sexualität nicht gestalten müsse,
- dass man dem Zeitgeist hörig sein soll,
- oder dass man nicht zur Kirche gehen braucht.
Das sei ferne!
Dieser Vorwurf wird der evangelischen Predigt
von Anfang an gemacht,
dass sie gegen gute Werke sei.
Natürlich nicht!

Ich bin dagegen,
den Antrieb und die Ausrichtung unseres Handelns
auf der Menschlichen Ebene zu suchen,
- im eigenen Ich
oder in Formen von gemeinsamer Kultur,
- sei es kirchliche Kultur oder weltliche Kultur,
- sei es traditionelle oder moderne Kultur,
- sei es angepasste oder unangepasste Kultur.
Zwischen all diesen Dingen können wir frei wählen
und wie das Leben eines wahren Christen in der Welt aussieht,
kann von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich aussehen.
Von
Tradwife bis Trans-Mann,
von Investment-Banker bis Hausbesetzerin,
von Helikopter-Mutter bis Hippie-Vater,
christlich ist der Mensch,
der sein Leben lebt
- ausgerichtet an Jesus Christus
- und angenommen durch ihn.

(2) Liebe Gemeinde,
Gott befielt seinem Volk durch Mose,
sich am Horeb zu versammeln.
Die Bibel erinnert sie:

11Da tratet ihr herzu und standet unten an dem Berge;
der Berg aber stand in Flammen bis in den Himmel hinein,
und da war Finsternis, Wolken und Dunkel.
12aUnd der Herr redete mit euch mitten aus dem Feuer.

So, wie Gott einst den Moses
aus einem brennenden Dornbusch berufen hat,
so beruft er hier das ganze Volk aus dem Vulkan,
eine Nummer größer.

Unser Vulkan ist in Nazareth,
unsere Finsternis, Wolken und Dunkel waren auf Golgatha
und wir begegneten dem Wort Gottes
in Jesus Christus,
dem auferstandenen Herrn.

(a) An Weihnachten feiern wir,
dass Gott in unsere Welt gekommen ist.
„In Jesus Christus ist die Wirklichkeit Gottes
in die Wirklichkeit der Welt eingegangen“.
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Gott hat Dein Leben angenommen
mit allem, was dazugehört
und eine Leine gespannt von der Schöpfung
bis zu seinem Reich.
Jesus Christus ist der Sohn Gottes,
durch den alles geschaffen ist,
und dem alles übergeben ist zum Gericht am letzten Tag.
Jesus ist dein Bruder und dein Freund geworden.

Auf ihn sollt ihr hören.8

(b) An Karfreitag müssen wir einsehen,
dass uns der Wille Gottes aus dem Blick geraten ist.
Die Schuld an Gott,
an unseren Nächsten,
ja an uns selbst!,
– diese Schuld– bleibt nicht ohne Wirkung und Leid.
Doch Christus nimmt sie auf sich,
so dass wir befreit und erlöst vor ihm stehen.
Er macht unsere Sünde zu seiner Sünde,
unseren Tod zu seinem Tod,
damit wir,
von der Sünde befreit,
den Tod nicht schmecken.
Derart erneuert, ja wiedergeboren,
können wir das Feuer des Vulkans
und die Helligkeit seines Glanzes ertragen.
Wir hören Gottes Stimme aus dem Feuer
und er sagt uns,
- dass er uns liebt,
- dass wir ihm wertvoll sind
- und er unsere Gebete gerne hört,
den Dank und das Lob, aber auch die Bitte und die Klage.

(3) Liebe Elena, Helena und liebe Leni, lieber Mattis,
ihr beginnt heute euren Konfi-Kurs.

Moses sagt:

Und du sollst
deinen Kindern und Kindeskindern kundtun
10den Tag,
da du vor dem
Herrn, deinem Gott, standest
an dem Berge Horeb.

Eure Eltern, Paten
und Eure Kirchengemeinden
wollen das gerne tun.
Ihr seid getauft –
und damit ist euer Weg im Glauben längst begonnen.
Nun wollen wir euch,
die ihr langsam erwachsen werdet,
Zeugnis von unserem Glauben geben
und davon,
wie wir mit Jesus Christus leben.
Wir wünschen uns,
dass ihr bewusst und absichtsvoll euren Glauben gestaltet
und einstimmt in das Bekenntnis,
das wir bei eurer Taufe für euch schon gesprochen haben.

Der Herr Jesus Christus leite euch auf eurem Weg
und segne alles Reden und Hören. — Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus!9 Amen.

1 1.Kor 1,3

Titelbild: Etwa 100m hohe Eruption des Stromboli (Isole Eolie, Italien). Aufgenommen mit einer Belichtungszeit von mehreren Sekunden. Die gestrichelten Flugbahnen entstehen, wenn Lavabrocken mit einer heißeren und damit helleren Seite und einer kühleren dunkleren während des Fluges rotieren.


2 Ps 119,105


3 2.Kor 3,6


4 Mt 7,1; Lk 6,37


5 2Kor 5,10


6 „Indem wir auf diesem Wege weiterschreiten wollen [ohne Ethik als den Unterschied zwischen Sollen und Seien, S. 34], stellt sich uns wie ein Koloß ein Großteil des traditionellen christlichen Denkens hindernd entgegen“, Bonhoeffer, Ethik, DBW 6, S. 41.


7 Bonhoeffer, DBW 6, S. 39.


8 Vgl. Lk 9,35.


9 Phil 4,7


Manuskript pdf, 519 KB)

Weitere Predigten zu 10. So. n. Trinitatis:
Umkehr, Herz und Liebe
Dtn 30,1–6, 10. So. n. Trinitatis

In diesem Abschnitt aus dem Alten Testament kommen mindestens zwei Motive vor, die uns im Neuen Testament wiederbegegnen: Die Umkehr und die Beschneidung des Herzens.

Das Geheimnis des Töpfers
Röm 11,25–32, 10. So. n. Trinitatis

In seiner ersten Vorlesung über den Römerbrief nennt Martin Luther unseren Predigtabschnitt heute Morgen „dunkel“. Tatsächlich redet Paulus ja von einem „Geheimnis“, das er den Römern mitteilen möchte. Was er ihnen zu sagen hat, bleibt ein Paradox.