18:27

Elia wird versorgt
Predigt zu 1.Kön 16,29–17,16

224 7. So. n. Trinitatis, 19. Juli 2026, Frankfurt

Im Zentrum dieser Geschichte steht das Wort Gottes, wie er es spricht durch den Propheten Elia und durch dich, die Trinitatisgemeinde, denn Gott hat sein Wort in deinen Mund gelegt und dich unter dem Schatten seiner Hände geborgen.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater,
und dem Herrn Jesus Christus.
1 Amen.

Das Wort Heiliger Schrift, das diese Predigt auslegt,
ist ein Abschnitt aus dem 1. Buch der Könige
im 16. und 17. Kapitel
über den Propheten Elia.
Ich werde die Geschichte
im Verlauf der Predigt
abschnittsweise vorlesen.

Lasst uns beten:
Herr Gott, Heiliger Geist,
rede durch das Wort dieser Predigt zu deinem Volk
wie du durch das Wort des Propheten Elia geredet hast,
dass wir umkehren auf deinen Weg
und sehen die Wunder, die du unter uns wirkst.
— Amen

Liebe Schwestern und Brüder!

(1)

29Im achtunddreißigsten Jahr Asas,
des Königs von Juda,
wurde Ahab, der Sohn Omris,
König über Israel
und regierte über Israel zu Samaria zweiundzwanzig Jahre.
30Er tat, was dem Herrn missfiel,
mehr als alle, die vor ihm gewesen waren.
31Es war noch das Geringste,
dass er wandelte in der Sünde Jerobeams,
des Sohnes Nebats;
er nahm sogar Isebel zur Frau,
die Tochter Etbaals, des Königs der Sidonier,
und ging hin und diente Baal
und betete ihn an
32und richtete ihm einen Altar auf im Tempel Baals,
den er ihm zu Samaria baute,
33und machte ein Bild der Aschera,
so dass Ahab mehr tat,
den
Herrn, den Gott Israels,
zu erzürnen,
als alle Könige von Israel,
die vor ihm gewesen waren.

17,1Und es sprach Elia, der Tischbiter,
aus Tischbe in Gilead,
zu Ahab:
„So wahr der
Herr,
der Gott Israels, lebt, vor dem ich stehe:
Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen,
ich sage es denn.“

Das ist die Ausgangssituation unserer Geschichte:
Der König voran,
die Eliten hinterher,
fällt das Volk vom Glauben ab;
es bricht den Bund,
den der
Herr mit ihnen geschlossen hat
durch ihren Vater Abraham.
Gott reagiert darauf wütend
und lässt Hitze und Trockenheit über das Land kommen;
Wirtschaftskrise und Hungersnot folgen auf dem Fuße.

Ich habe zu diesem Abschnitt zwei Sorten Predigten gefunden.
Grob gesprochen und etwas karikiert sehen die so aus:

Erstens, die Moralpredigt.

Wenn wir uns nicht an die Klima-Moral halten,
kann man sehen,
was dabei herauskommt:
Die Sommer werden immer wärmer
und das Wetter insgesamt extremer.

Nun geht es mir nicht darum,
den Klimawandel klein zu reden.
Nein, das ist ein wichtiges politisches
und auch moralisches Thema.
Es ist relevant.
Nur: Was soll das in einer christlichen Predigt?
Wer wird dadurch
zur Erkenntnis der eigenen Sündhaftigkeit geführt,
erschrickt sich,
kehrt um
und findet Gnade, Annahme und Erneuerung
im Neuen Bund
durch den Herrn Jesus Christus?

Zweitens gibt es eine andere Sorte Predigt,
die legen die Dürrekatastrophe aus der biblischen Geschichte
als eine geistliche Dürre aus.
Ungefähr so:

Die Politiker, die Eliten, das Volk hinterher,
haben Gott verlassen.
Früher war alles besser,
jetzt erleben wir den Niedergang
von Kirche und Gesellschaft.

Das wird dann einer tendenziell frommen,
tendenziell freikirchlichen Gemeinde gepredigt,
also denjenigen, die hochverbunden sind
und eh in der Regel sonntags hier sitzen.
Die sind also gar nicht Zielgruppe für die Predigt.

Wer wird dadurch zur Umkehr geführt?
Wem wird dadurch der Herr Jesus Christus näher gebracht?
Viel mehr scheint mir das als ein Verkäufer-Trick.
Den Kunden wird das Gefühl vermittelt,
sie hätten die richtige Kaufentscheidung getroffen.
Die fühlen sich dann feist und sicher
in ihren religiösen Überzeugungen. –
Doch ist das Glaube?
Ist das Beziehung zu Gott?
Ist das die Freude eines Menschen,
der sich im Angesicht der eigenen Sünde
angenommen und gerettet weiß? —

Wenn ich diese beiden Wege aber ablehne,
dann brauche ich einen dritten Weg. —
Ich glaube,
im Zentrum dieser Geschichte
steht Gottes Wort
durch den Propheten Elia.

So wahr der Herr,
der Gott Israels, lebt,
vor dem ich stehe:
Es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen,
ich sage es denn.

Elia hat keine Macht über das Wetter,
sondern Gott gibt ihm,
was er sagen soll.
Darin aber liegt die Kraft über Trockenheit und Regen,
sterben und leben.

Du,
Trinitatisgemeinde,
du stehst so vor Gott,
deinem Herrn.
Du hast Gottes Wort für die Menschen.
Du sprichst es in deinem Gebet für sie,
du sprichst zu ihnen durch den Glauben, den du lebst.
Wer dir begegnet, begegnet Gott,
in deinem Alltag und in deinem Gottesdienst.

Gott sagt:

Dir sind deine Sünden vergeben.

Dies ist mein Leib,
dies ist das neue Testament in meinem Blut.

Dies stärkt dich und erhält dich im Glauben
zum ewigen Leben.

Wo du bist, da ist Gottes Wort.
Trinitatisgemeinde, du bist eine Prophetin.
Gott sagt zu dir:

Ich habe mein Wort in deinen Mund gelegt
und habe dich unter dem Schatten meiner Hände geborgen,
auf dass ich den Himmel von neuem ausbreite
und die Erde gründe und zu Zion spreche:
Du bist mein Volk.
2

(2) Im 1. Buch der Könige heißt es weiter:

2Da kam das Wort des Herrn zu [Elia]:

3„Geh weg von hier
und wende dich nach Osten
und verbirg dich am Bach Krit,
der zum Jordan fließt.
4Und du sollst aus dem Bach trinken,
und ich habe den Raben geboten,
dass sie dich dort versorgen sollen.“

5Er aber ging hin
und tat nach dem Wort des
Herrn
und setzte sich nieder am Bach Krit,
der zum Jordan fließt.
6Und die Raben brachten ihm Brot und Fleisch
des Morgens und des Abends,
und er trank aus dem Bach.

7Und es geschah nach einiger Zeit,
dass der Bach vertrocknete;
denn es war kein Regen im Lande.

Gott schickt den Elia nach Hause.
Der Bach Krit ist im Ostjordanland,
unweit von Elias Heimatstadt Tischbe.
3
Das ist die Gegend,
wo er sich auskennt;
die ist ihm vertraut.
Da findet er leicht einen Ort,
an dem er sich verbergen kann,
eine Höhle vielleicht,
eine einsame Hütte.

Er wird gut versorgt dort:
Man hat in Israel zu der Zeit in Israel
nicht jede Woche Fleisch gegessen.
Elia bekommt Brot und Fleisch,
jeden Morgen und jeden Abend.
4
Das fühlt sich für mich an wie Kind sein.
Man ist zu Hause geborgen,
alles ist selbstverständlich.
Überschaubare Verantwortung,
keine e-Mails,
keine Rechnungen,
kein Finanzamt.
Wenn man Hunger hat, geht man an den Kühlschrank.

Die Trinitatisgemeinde existiert in so einer Komfortzone.
Die SELK ist so eine Komfortzone.
Man ist zuhause,
geborgen unter lebenslangen Freunden und Verwandten.
Man weiß,
wie die Leute ticken,
wie die Musik klingt.
Jemand ruft „Cosi 625“ – „Ok“.
Nach etwas Blättern fängt der junge Pianist an zu spielen
und alle singen mit.

Der Pastor singt: „Der Herr sei mit euch.“
Die Gemeinde antwortet: „Und mit deinem Geist.“

Das ist selbstverständlich,
hier sind wir zu Hause.
Rabenschwarz gekleidetes Kultpersonal
liefert regelmäßig Brot und Wein,
beladen mit der himmlischen Speise
des Leibes und des Blutes Christi.
Gottes Wort ist mitten unter uns,

Dies ist mein Leib;
dies ist das neue Testament in meinem Blut. —

Doch es ist kein Regen im Land.

7Und es geschah nach einiger Zeit,
dass der Bach vertrocknete.

In Frankfurt kriegen wir davon noch nicht viel mit.
Wir haben es sehr, sehr gut,
was die Mitarbeit betrifft.
Selbst, wenn wir mal ein Projekt einen zweiten Anlauf braucht,
es wird in dieser Gemeinde ganz wunderbare Arbeit geleistet
auf ganz viele unterschiedliche Arten. –
Ein Fehler wäre es,
sich darauf auszuruhen.
Deutlich sehen kann man das
an der Gottesdienstgemeinde.
Schaut auch mal um hier im Raum
und denkt diese Gruppe von Menschen
mal 10 Jahre weiter.

(3)

7Es war kein Regen im Land
und es geschah nach einiger Zeit,
dass der Bach vertrocknete.

8Da kam das Wort des Herrn zu [Elia]:
9Mach dich auf und geh nach Zarpat,
das bei Sidon liegt,
und bleibe dort;
denn ich habe dort einer Witwe geboten,
dich zu versorgen.

10Und er machte sich auf und ging nach Zarpat.
Und als er an das Tor der Stadt kam,
siehe, da war eine Witwe,
die las Holz auf.
Und er rief ihr zu und sprach:
„Hole mir ein wenig Wasser im Gefäß, dass ich trinke!“
11Und als sie hinging zu holen,
rief er ihr nach und sprach:
„Bringe mir auch einen Bissen Brot mit!“

12Sie sprach:
„So wahr der
Herr, dein Gott, lebt:
ich habe nichts Gebackenes,
nur eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug.
Und siehe,
ich hab ein Scheit Holz oder zwei aufgelesen und gehe heim
und will mir und meinem Sohn zurichten,
dass wir essen –
und sterben.“

13Elia sprach zu ihr:
„Fürchte dich nicht!
Geh hin und mach’s, wie du gesagt hast.
Doch mache zuerst mir etwas Gebackenes davon
und bringe mir’s heraus;
dir aber und deinem Sohn
sollst du danach auch etwas backen.
14Denn so spricht der Herr, der Gott Israels:
Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden,
und dem Ölkrug soll nichts mangeln
bis auf den Tag,
an dem der
Herr regnen lassen wird auf Erden.“

15Sie ging hin und tat,
wie Elia gesagt hatte.
Und er aß und sie auch und ihr Sohn Tag um Tag.
16Das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt,
und dem Ölkrug mangelte nichts
nach dem Wort des
Herrn,
das er durch Elia geredet hatte.

Gott schickt den Elia in die Fremde.
Aus der Komfortzone seiner Heimat-Region
schickt er ihn ins Ausland.
Zarpat liegt an der Phönizischen Küste.
Das ist die Heimat von Menschen,
die an Baal glauben.
5
Elia wandert aus dem Land Israel
geradewegs in den Machtbereich des Gottes,
zu dem sein König abgefallen ist. –
Unsicherer könnte er kaum sein.

Gott sagt dem Propheten zu,
dass eine Witwe ihn versorgen wird. —
Witwen sind der Inbegriff für die Menschen,
die kein Auskommen haben,
sondern angewiesen sind auf andere.
6
Da hätte Gott ihn auch in die Wüste schicken können
für Wasser
oder in die Arktis für Wärme.

Der Einwand der Witwe entspricht genau dieser Erwartung.
Sie hat den Tod vor Augen
für sich
und für ihr Kind.

Elia hat einen starken Zuspruch für sie.

Fürchte dich nicht! …

Das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt,
und dem Ölkrug mangelte nichts…

Er verspricht ihr ein Wunder.
Doch was soll diese Mutprobe?

Mache zuerst mir etwas Gebackenes [von den letzten Resten]
und bringe mir’s heraus;
dir aber und deinem Sohn
sollst du danach auch etwas backen.

Würdest du das machen?
Wenn das die Mutprobe wäre,
die zwischen dir und dem Wunder steht,
würdest du sie bestehen?

Das ist,
warum wir im Vaterunser beten:

Führe uns nicht in Versuchung.

Wenn Gott unseren Glauben prüfen würde,
wer würde bestehen? —

Warum macht Gott das?
Er macht das sicher nicht um der Witwe willen.
Gott schaut den Menschen ins Herz.
Er weiß um ihren Glauben und um ihren Zweifel.
Er weiß um ihre Not und er hört ihre Klage. —
Gott stellt sie auf die Probe
für uns.
Er zeigt uns,
dass solcher Glaube möglich ist –
und zwar in einer Ausländerin,
in einer Fremden.
7

Gott zeigt uns hier,
dass Glaube uns überraschen wird
bei Menschen,
wo wir ihn nicht erwarten.

(Schluss)
Liebe Gemeinde,
Glauben und Religion
haben an Selbstverständlichkeit und an Verbindlichkeit verloren.
Gerade für jüngere Menschen
liegen ganz andere Sachen oben auf.
Ich versuche das positiv zu sehen
und sage mir,
dass es gut ist,
wenn die Menschen ehrlicher mit diesen Dingen umgehen.
Es muss auch vollkommen in Ordnung sein,
wenn jemand sagt:

Das sagt mir nichts, das spricht mich nicht an.

Für die Kirche heißt das,
dass sie sich auf die Hinterbeine stellen muss,
dass sie sich nicht ausruhen kann auf alten Ansprüchen.
Ich glaube,
es ist gesund für die Kirche,
wenn sie auf die Frage zurückgeworfen wird:

Was haben wir eigentlich zu sagen?

Welche Botschaft ist es wert,
dass Menschen am Sonntag Morgen um 10 aufstehen
– zur allerbesten Schlafenszeit –
und hier herkommen?

Gottes Wort ruft Menschen weg von einem Weg,
der Gott missfällt,
hin zu Erneuerung und Frieden,
hin zu Jesus Christus.

Das kann von Mensch zu Mensch
sehr unterschiedlich sein,
wie das konkret aussieht.
Doch, wenn das geschieht, ist es immer ein Wunder.

Du,
Trinitatisgemeinde,
stehst vor deinem Gott,
wie Elia der Prophet.
Gottes Wort ist in deiner Mitte.
Du trägst es in die Welt
mit deinem Gebaren,
in deinen Liedern
und in dem, was du sagst.
Verheimliche es niemandem!
Suche immer wieder Wege, es neu zu sagen!

Siehe, du wirst Heiden rufen,
die du nicht kennst,
und Heiden, die dich nicht kennen,
werden zu dir laufen um des
Herrn willen,
deines Gottes,
und des Heiligen Israels,
der dich herrlich gemacht hat.
8 — Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus! Amen.

1 1.Kor 1,3


2 Jesaja 51,16


33 Vgl. Winfried Thiel, BK.AT, Könige IX/2.1, S. 26.


4 Vgl. Thiel, a.a.O., S. 25.


5 Vgl. Thiel, a.a.O., S. 30.


6 Vgl. Thiel, a.a.O., S. 54.


7 Vgl. Thiel, a.a.O., S. 34.


8 Jes 55,5


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