15:11

Unter der Hand Gottes
Predigt zu Ex 33,12–23

104 2. So. n. Epiphanias, 15. Januar 2023, Frankfurt

Der Predigtabschnitt spielt nach einem Streit. Moses ist unsicher. Wird Gott sein Versprechen halten? Hat Gott mich noch lieb? Wie kann ich mir sicher sein?

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater,
und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Das Wort Heiliger Schrift, das diese Predigt auslegt,
ist die alttestamentliche Lesung,
wie wir sie gerade gehört haben.
Ich werde uns den Zusammenhang
mit eigenen Worten nacherzählen
und einige wichtige Verse im Laufe der Predigt wiederholen.

Lasst uns beten:
Herr Gott, unser Vater,
sende uns deinen Heiligen Geist,
damit wir durch die Predigt
die Stimme deines Sohnes Jesus Christus hören,
denn er spricht zu uns
aus dem Innern deines Herzens.
— Amen

Liebe Brüder und Schwestern,

1 unser Predigtabschnitt heute Morgen
zeigt uns das Nachspiel zu einem schlimmen Streit.
Moses war gerade abwesend gewesen,
um von Gott die Zehn Gebote zu empfangen,
da hat das Volk sich aus eigenen Mitteln
ein Gottesbild gebaut
und angebetet.
Das war
- ein Bruch gegen Gottes Liebe,
- Verachtung von Gottes Würde,
- Misstrauen gegen Gottes Versprechen
- und Untreue gegen Gottes Bund.

Gott und das Volk haben wieder zueinander gefunden.
Sie haben um Vergebung gebeten
und Gott hat seinen Bund mit Israel erneuert.

Nun steht Moses vor Gott
und man könnte meinen,
er sei unsicher.

Moses erinnert Gott an dessen Versprechen:

Du hast mich doch losgeschickt, das Volk zu führen.

Du hast gesagt:
„Ich kenne dich mit Namen,
und du hast Gnade vor meinen Augen gefunden“.

Und er bittet Gott:

„Lass mich deinen Weg wissen!“

Zeig mir, Herr, wo es langgeht.
Führe mich,
denn ich weiß den Weg nicht für mich selbst.

Gott antwortet:

Mein Angesicht soll vorangehen;
Ich will dich zur Ruhe leiten.

Gott weiß den Weg für unser Leben
und er will ihn uns auch zeigen,
wenn wir nach seinem Willen fragen. —

Die Bibel benutzt gern das Bild des Ehebruchs
für den Bruch zwischen Gott und seinem Volk.
Das ist in gutes Bild,
es hat aber ein Problem:
Es geht immer gleich um Sexualität.
Es gibt aber mehr als eine Art,
in einer Ehe untreu zu sein.

Ich kann mir leicht ein Paar vorstelle:
- Er hat einen Betrieb
- und sie ist Hausfrau und macht nebenbei zu Hause das Büro.
Ich kenne Ehepaare,
bei denen das so geregelt ist,
aber die Geschichte hier habe ich mir ausgedacht.

Nun ist das so,
dass dieser Mann nicht mit Geld umgehen kann.

Er ist ein fähiger Handwerker;
deswegen geht die Firma dann auch lange gut,
aber dann kommt raus,

wie viel Geld er für Unsinn verschleudert hat,

wie viel Geld er Kunden einfach schenkt,
damit er beliebt ist,

wie viel Geld er falsch angelegt und verloren hat.

Das alles hat er vor seiner Ehefrau verborgen
mit Halbwahrheiten und Lügen.

Als ihr das Ausmaß klar wird,
gibt es großen Streit,
aber die beiden raffen sich zusammen,
auch um der Kinder willen. —

Aber es bleibt ein Rest.
Es bleibt eine Unsicherheit,
ob alles wieder gut ist.
Der Mann sitzt am Küchentisch seiner Frau gegenüber
und er muss es wissen:

Nimmst du mich noch
als deinen Ehemann aus Gottes Hand?

Willst du mich lieben und achten,
mir vertrauen und treu sein?

Willst du mir helfen und für mich sorgen?

Bis dass der Tod uns scheidet?

Sie antwortet:

Ja, mit Gottes Hilfe.

Das ist, was Gott hier sagt:

Mein Angesicht soll vorangehen;
ich will dich zur Ruhe leiten.

Das heißt:
Ich werde meinen Eid erfüllen,
den ich einst geleistet habe.

Für das Ehepaar,
das ich mir ausgedacht habe,
wird das sicherlich heißen,
dass der Ehemann Ausgaben und Investitionen
nur noch mit Zustimmung der Ehefrau machen wird.

Genau so muss sich das Volk an die Gebote halten:

Ich bin der Herr, dein Gott,
du hast keine goldenen Kälber anzubeten!

Du sollst den Herrn,
deinen Gott,
lieben
- von ganzen Herzen,
- von ganzer Seele,
- und mit aller deiner Kraft;
und deinen Nächsten
wie dich selbst.

„In diesen beiden Geboten
hängt das ganze Gesetz und die Propheten“.

Moses ist sich immer noch unsicher.
Er fragt Gott:

16Woran soll erkannt werden,
dass ich und dein Volk
vor deinen Augen Gnade gefunden haben,
wenn nicht daran,
dass du mit uns gehst,
so dass ich und dein Volk erhoben werden vor allen Völkern,
die auf dem Erdboden sind?

Auf unser Ehepaar übertragen wäre die Frage:

Bin ich noch jemand besonderes in deinem Leben?

Und Gott antwortet mit einem eindeutigen „Ja“.

Er sagt:

Auch das, was du jetzt gesagt hast, will ich tun;
denn du hast Gnade vor meinen Augen gefunden,
und ich kenne dich mit Namen.

Mit anderen Worten:

Ihr seid nach wie vor mein erwähltes Volk.

Gott bekennt sich zu den Auserwählten,
wie eine Braut zu ihrem Bräutigam
und umgekehrt.
Oft genug ist dieses Bekenntnis getragen von Vergebung.

Liebst du mich noch?

Oft genug ist es gart nicht so einfach darauf zu antworten:

Ich liebe dich trotzdem!

3 Liebe Gemeinde,
es scheint, als sei Mose immer noch unsicher.
Er will auf’s Ganze gehen und bittet Gott:

Lass mich deine Herrlichkeit sehen!

19Und [Gott] sprach:

[…] Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig,
und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.

Das heißt mit anderen Worten:

Mein Erbarmen ist zuverlässig.

Wenn Gott sagt:

„Dir sind deine Sünden vergeben“,

dann sind sie dir vergeben.

Was auf Erden gelöst ist,
ist auch im Himmel gelöst.
Glaube dies nur fest!

20Und [Gott] sprach weiter:

Mein Angesicht kannst du nicht sehen;
denn kein Mensch wird leben, der mich sieht.

Gott ist Gott
und wird sich den Menschen nicht ausliefern.
Ihm haftet eine Heilige Würde an,
die ihm
und nur ihm zusteht:

Heilig, heilig heilig ist der Herr Zebaoth;
alle Lande sind seiner Ehre voll.

Das ist Gottes und Gottes allein.
Gott sagt:

Mein Angesicht kannst du nicht sehen.

An uns Menschen gibt es auch Dinge,
die sind unser und unser allein.
Die wollen wir nicht jedem zeigen
und wenn uns jemand zwingt,
ist es ein schlimmer Eingriff.
Diese Grenze behält Gott sich vor.
Er will an Mose sein Gesicht nicht verlieren.

Wenn ich an die Frau in meinem Beispiel denke,
gilt für sie etwas ähnliches.
Wie alle Menschen hat auch sie ihre Grenzen.

Jemand fragt:

Herr, wie oft muss ich denn meinem Bruder vergeben,
der an mir sündigt?
Genügt es siebenmal?

Da antwortet Jesus:

Ich sage dir:
nicht siebenmal,
sondern siebzigmal siebenmal.

Doch auch wenn wir vergeben, haben wir ein Recht
- auf unseren Selbst-Wert
- auf unsere Selbst-Achtung,
- und nicht zuletzt auch auf unseren Selbst-Erhalt.

Du bist ein Geschöpf von Gottes eigener Hand.
Du bist mit dem Blut Christi teuer erkauft.
Schmeiß das nicht weg.
Du bist wertvoll und geliebt.

Dazu passt nicht, dass dich einer
wenn dich einer belügt und demütigt.
Und: Gelogene Reue ist keine. —

3 Gott will Moses auch nicht in seinem Zweifel lassen.
Er setzt erneut zur Redet an und sagt dem Propheten:

Siehe, es ist ein Raum bei mir,
da sollst du auf dem Fels stehen.

22Wenn dann meine Herrlichkeit vorübergeht,
will ich dich in die Felskluft stellen
und meine Hand über dir halten,
bis ich vorübergegangen bin.

23Dann will ich meine Hand von dir tun,
und du darfst hinter mir her sehen;
aber mein Angesicht kann man nicht sehen.

Das ist, wie weit Gott gehen will:
Er stellt Moses in die Felsspalte,
bedeckt ihn mit seiner Hand
und der Prophet darf Gott von hinten sehn.
Das ist, wie weit Gott gehen will,
ohne, dass er sein Gesicht verliert.
Gott kommt Moses auch in seinem Zweifel
und seiner Unsicherheit entgegen.
Es ist eine fast zärtliche, schützende Geste,
den Menschen mit der Hand zu bedecken.

[…] Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig,
und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.

4 Liebe Gemeinde,
ich habe vorhin von Gottes „heiliger Würde“ geredet,
davon, dass er sich den Menschen nicht „ausliefern“ will.
Dabei hat sich Gott in Jesus Christus
ganz den Menschen ausgeliefert,
und sich Leiden, Kreuz und Tod vorbehaltlos ausgesetzt.

Hier kannst du sehen,
wie sehr Gott die Welt liebt.

Aus der väterlich-zärtlichen Geste
wird eine Begegnung auf Augenhöhe
als dein Bruder und Freund.

Gott hat seine Macht und Würde und Herrlichkeit
nicht für sich behalten,
sondern hat sich um deinetwillen entäußert.
Er hat alles abgelegt,
bis auf diesen Kern:
Gott zu sein.

Als ein Mensch,
aber mit diesem Kern
ist er ans Kreuz gegangen,
in das Grab,
in das Totenreich –
und er ist auferstanden als Mensch –
und ist immer noch Gott.

Damit hat er uns allen den Weg geebnet,
den Tod entmachtet
und das Totenreich besiegt.

Wir sind auf unserem Weg geführt.
Gott leitet uns durch die Feuersäule seines Wortes
und gibt uns Kraft mit dem Manna des Altarsakraments.
Er macht uns immer wieder seiner Liebe gewiss
durch den Zuspruch seiner Vergebung.

Ihm, unserem Herrn und Heiland Jesus Christus
sei Lob und Preis in Ewigkeit.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus! Amen. 1.Kor 1,3

 Verse 12 und 13.

 Vers 14.

 Mt 22,40

 Vers 17

 Jes 6,3

 Mt 18,21–22

 Vgl. Joh 3,16.

 Vgl. Phil 2,7.

 Phil 4,7