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Ein Sixpack tut’s freilich nicht
Predigt zu Ps 46

96 Reformationstag, 31. Oktober 2022, Frankfurt a.M.

„Was Frauen wirklich wollen…“ ein Bodybuilder hilft uns eine wesentliche Einsicht Martin Luthers nachzuvollziehen.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater,
und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Die Ordnung der Predigtabschnitte
schlägt vor, dass ich uns heute Morgen den Introitus auslege,
Psalm 46.
Ich werde im Verlauf der Predigt auf den Psalm eingehen,
uns aber zuerst ein zentrales Anliegen der Reformation
vor Augen führen:
Der Glaube allein genügt.

Lasst uns beten:
Herr, Gott, Heiliger Geist,
komm in unsere Mitte,
ermahne und tröste uns durch das Wort der Predigt
und lass das Leben der neuen Schöpfung
in uns atmen. — Amen

Liebe Brüder und Schwestern,

1 der Algorithmus von Firma Facebook
spülte mir folgendes Video auf den Bildschirm:
Ein junger Mann steht in der Tür und sagt:

Was ich immer dachte,
das Frauen wollen…

Dann zieht er sein Hemd aus
und zum Vorschein kommt der Oberkörper eines Bodybuilders:

Jeder Muskel ist definiert.

Bei dem Sixpack
wäre selbst Michelangelos David neidisch geworden.

Wie viel Zeit der wohl im Fitness-Studio verbringt?
Und wie viel Disziplin er aufwenden muss:
Um so auszusehen,
musst du nicht nur Kalorien zählen,
sondern buchführen über Kohlehydrate und Eiweiße,
Vitamine und Hormone.
Das ist richtig Arbeit.
Man muss sein ganzes Leben dem Bodybuilding unterordnen.

Aber das ist anscheinend nicht,
was Frauen wollen.

Was Frauen wirklich wollen…

Zeigt uns der Bodybuilder so:

Wir sehen ihn in der Küche stehen
und er räumt das Geschirr,
das auf der Spülmaschine steht
in die Spülmaschine.

Wir sehen ihn,
wie er im Badezimmer steht
und die Klobürste benutzt
und den Klodeckel runter macht.

Wir sehen ihn,
wie er im Wohnzimmer staubsaugt.

Das wollen Frauen also.

Und mit dieser Einsicht,
liebe Gemeinde,
hat unser Bodybuilder-Freund
eine wesentliche theologische Erkenntnis
Martin Luthers nachvollzogen:

Was ich immer dachte,
was Gott will:

Disziplin, Zucht und Ordnung,

Bußleistungen,

Wallfahrten,

Fasten

und Ablass.

Aber das ist gar nicht, was Gott will,
sondern was Gott wirklich will
ist dein Glaube allein.

Gott will,
dass du ihn liebst
- von ganzem Herzen,
- von ganzer Seele,
- von ganzem Gemüt
- und von allen deinen Kräften.

2 Dies führt uns zu der Frage,
wie diese Liebe zum Ausdruck kommt.
In diesem zweiten Teil
blicken wir auf den Psalm.

Der Bodybuilder hat anscheinend durch Erfahrung gelernt,
wie er in seiner Beziehung Liebe zum Ausdruck bringt:

Er sorgt dafür,
dass seine Freundin ihm nicht hinterherräumen muss
und packt sein Geschirr in die Spülmaschine.

Er macht hinter sich sauber.
Fehler passieren jedem mal,
aber es kann regelrecht ein Ausdruck von Verachtung sein:
„Dafür bist du gut genug,
meinen Dreck wegzumachen!“

Er leistet seinen Anteil an Hausarbeit.

Das sind ganz lebenspraktische Dinge.
Sein Sixpack kann er haben oder nicht:
Hier bringt er Wertschätzung und Gemeinschaft zum Ausdruck.

Unseren Glauben
und unsere Liebe zu Gott
bringen wir da zum Ausdruck,
wo wir uns auf Gott verlassen.

Gott ist unsere Zuversicht und Stärke,
eine Hilfe in großen Nöten, die uns getroffen haben.

Darum fürchten wir uns nicht,
wenngleich die Welt unterginge
und die Berge sänken mitten ins Meer.

Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben
mit ihren Brünnlein,
da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind.

Gott ist bei ihr drinnen,
darum wird sie festbleiben;
Gott hilft ihr früh am Morgen.

Nicht die Stadt ist unsere Zuversicht und Stärke,
mit ihren Festungsmauern, „Wehr und Waffen“,
sondern dass Gott in ihr wohnt.

Nicht meine Muskeln
mache ich mich fest in den Stürmen des Lebens,
sondern an meiner Beziehung,
weil ich hier Liebe erfahre.

Nicht die „Brünnlein“, Gärten und Fassaden
machen die Schönheit von Jerusalem aus,
sondern dass sie die Wohnung des Höchsten ist.

Nicht die Bewunderung der Fitness-Fans ist mir wichtig,
sondern dass mein Ehepartner mich liebt,
denn dadurch wird aus unserer Wohnung ein Zuhause.

Für die Welt
bleiben bis zum Himmelreich
„Glaube, Hoffnung und Liebe;
aber die Liebe ist die größte unter ihnen“.

Vor Gott
gilt die Gerechtigkeit
die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen,
die an ihn glauben.

3 Liebe Gemeinde,
schon Paulus hat für diesen Glauben Kritik geerntet:

Wie ist das denn jetzt mit dem Gesetz, Paulus?
Gott hat doch einen Anspruch an uns
und wir haben Gebote, an die wir uns halten sollen.
Ist das alles nichts mehr wert?

Ganz ähnlich wurde in der Reformationszeit argumentiert.
Die Evangelischen,
so hieß es,
würden gute Werke schlechtreden.
Die Christenmenschen seien dann nicht mehr motiviert,
sich moralisch zu verhalten.

Auf ganz ähnlicher Linie hatte ich neulich ein Gespräch.
Jemand sagte mir:

Beichte funktioniert für mich nicht.
„Dir sind deine Sünden vergeben“ – 
einfach so.

Da kann ja jeder kommen:
Du machst, was du willst,
gehst beichten
und bist wieder frei.

Das ist mir zu billig!

So ist das freilich nicht gemeint.
Das wäre nämlich so,
als würdet ihr heute nach Hause gehen
und zu euren Ehepartnern sagen:

Der Pfarrer hat heute in der Predigt gesagt,
man müsse kein Bodybuilder sein.

Das heißt:
- Ich brauche nie wieder auf meine Ernährung achten.
- Ich kann so fett werden, wie ich will
- und du musst mich trotzdem lieb haben,
- so lange ich ab und zu die Küche aufräume!

Das ist aber Unsinn!
Da würde jemand meine Predigt als Ausrede benutzen,
zu tun,
was schlecht für ihn ist
und wahrscheinlich auch schlecht für seine Beziehung.

Auf die Ernährung zu achten
und Sport zu machen
ist gut für dich!

Genau so gut ist es,
nach dem Willen Gottes für dein Leben zu fragen.

Gott hat dich geschaffen
und er weiß am besten,
was gut für dich ist.
Sein Gesetz und seine Gebote sind für dich
und nicht gegen dich.

Deswegen verlese ich die 10 Gebote bei der Beichte.
Das ist nicht, was Menschen meinen,
was gut für dich ist.
Das ist nicht, was Menschen meinen,
was Gott für dich will.
Das ist Gottes Wille für dein Leben.

Hier habe ich eine Chance,
wie in einem Spiegel genau zu schauen,
wie es um mich steht.

Dies tun wir in dem Glauben an Christus.

Wegen ihm kann ich mich ohne Filter anschauen,
- denn meine eigene Gerechtigkeit
- und meine eigene Rechtfertigung
brauche ich hier nicht.

Hier bin ich frei.
Ich kann schonungslos ehrlich sein
und meine Schlüsse ziehen für mein Leben.
Gutes tue ich, wenn überhaupt, wegen dieser Freiheit.

Die guten Werke zahlen also nicht für die Rechtfertigung,
sondern sie fließen aus der Rechtfertigung,
der Rechtfertigung die Christus mir schon geschenkt hat.

Der Zuspruch

„Dir sind deine Sünden vergeben.“

macht das in meinem Leben zur Wirklichkeit.
Laufen tue ich so wie so,
aber hier macht mich Gott stark für seinen Weg für mich.

Die Liebe Gottes schenkt uns den Glauben,
der durch die Liebe tätig in unserem Leben.
Er ist uns Quelle und Brunnen, aus der alles Gute und Schöne in unser Leben fließt. — Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus! Amen. 1.Kor 1,3

 Nach Mk 12,30.

 Ps 46,2–3 nach ELKG² 78.

 Ps 46,5–6 nach LUT84.

 Nach ELKG² 527,1 „Ein feste Burg ist unser Gott“.

 Aus 1.Kor 13,13.

 Nach Röm 3,21, das ist die Lesung der Epistel, vgl. ELKG² 78.

 Nach Gal 5,6.

 Phil 4,7