16:41

Es ist Freitag
Predigt zu Mt 25,14–30

92 9. So. n. Trinitatis, 14. August 2022, Frankfurt

Christenmenschen leben am Freitag der Welt. Bald ist Wochenende, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Jesus sagt uns mit seinem Gleichnis „fürchte dich nicht“, sondern freue dich auf Gottes neue Welt – selbst auf das Letzte Gericht.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater,
und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Das Wort Heiliger Schrift, das diese Predigt auslegt,
steht beim Evangelistem Matthäus im 25. Kapitel.
Da dieser Abschnitt ziemlich lang ist,
bitte ich die Gemeinde, sich zu setzen.

14Denn das Himmelreich ist wie mit einem Menschen,
der außer Landes ging:
er rief seine Knechte und vertraute ihnen sein Vermögen an;
15dem einen gab er fünf Talente Silber,
dem andern zwei,
dem dritten einen,
jedem nach seiner Tüchtigkeit, —
und zog fort.

16Sogleich ging der hin,
der fünf Talente empfangen hatte,
und handelte mit ihnen —
und gewann weitere fünf dazu.
17Ebenso gewann der, der zwei Zentner empfangen hatte,
zwei weitere dazu.
18Der aber einen empfangen hatte,
ging hin, grub ein Loch in die Erde
und verbarg das Geld seines Herrn.

19Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte
und forderte Rechenschaft von ihnen.
20Da trat herzu, der fünf Zentner empfangen hatte,
und legte weitere fünf Zentner dazu und sprach:

Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut;
siehe, ich habe damit weitere fünf Zentner gewonnen.

21Da sprach sein Herr zu ihm:

Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht,
du bist über wenigem treu gewesen,
ich will dich über viel setzen;
geh hinein zu deines Herrn Freude!

22Da trat auch herzu, der zwei Zentner empfangen hatte,
und sprach:

Herr, du hast mir zwei Zentner anvertraut;
siehe da, ich habe damit zwei weitere gewonnen.

23Sein Herr sprach zu ihm:

Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht,
du bist über wenigem treu gewesen,
ich will dich über viel setzen;
geh hinein zu deines Herrn Freude!

24Da trat auch herzu,
der einen Zentner empfangen hatte,
und sprach:

Herr, ich wußte, dass du ein harter Mann bist:
du erntest, wo du nicht gesät hast,
und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast;
25und ich fürchtete mich,
ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde.
Siehe, da hast du das deine.

26Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm:

Du böser und fauler Knecht!
Du dachtest also,
dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe,
und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe?
27Dann hättest du mein Geld zur Bank bringen sollen,
und wenn ich gekommen wäre,
hätte ich das Meine wiederbekommen
mit Zinsen.
28Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn dem,
der zehn Zentner hat.

29Denn wer da hat, dem wird gegeben werden,
und er wird die Fülle haben;
wer aber nicht hat,
dem wird auch, was er hat, genommen werden.

30Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus;
da wird sein Heulen und Zähneklappern.

Lasst uns beten:
Herr, Heiliger Geist,
mache Jesu Gleichnis durchsichtig für uns,
damit es uns den Blick öffnet
für dich und dein Reich. — Amen

Liebe Brüder und Schwestern,

1 „Es ist Freitag!“ –
Das ist der Name einer Kreativagentur hier in der Nähe.
Als ich das das erst mal sah,
dachte ich:

Was ein cooler Name!

Für Kunden:
Du kommst zur Besprechung
und bist erst mal ganz entspannt:
Es ist Freitag!
Jeder Termin ist der letzte Termin diese Woche.

Für Mitarbeiter:
Du gehst jeden Tag zur Arbeit
mit diesem freudigen Grundgefühl:
„Ah! Es ist Freitag. Morgen ist Wochenende!“

Bei der Vorbereitung dieser Predigt ist mir dann aufgegangen,
dass das dieses Motto
das Leben von uns Christen auf den Punkt bringt.

„Es ist Freitag“:

Am Montag wurde die Welt erschaffen.

Am Dienstag hat Gott einen zweiten Anlauf genommen.
In der Sintflut blieb das stehen, was er gut fand, –
seine Beziehung zu Noah nämlich, –
und fast alles andere hat Gott weggeschmissen
und neu gemacht.
In einem schöpferischen Prozess
kann durchaus mal passieren:
Man schmeißt alles weg
und fängt eine neue Datei an.

Mittwoch hat Gott Abraham erwählt
und ist mit seinen Nachkommen aus Ägypten ausgezogen.

Am Donnerstag war es Zeit für den Neuen Bund:
Jesus ist in die Welt gekommen
und hat unser Menschenleben angenommen,
mit allem, was dazugehört:
„gelitten, gestorben, niedergefahren zur Hölle“.
Dann ist er
„am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel“. —

Und heute ist Freitag:
Jesus kommt bald wieder,
„zu richten die Lebendigen und die Toten“,
und dann ist Wochenende!
„Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen“.

2 Liebe Gemeinde,
man muss mit dem Freitag verantwortungsvoll umgehen.

Wenn ich da jetzt an eine Kreativ-Agentur denke –
natürlich nicht an „Es ist Freitag“,
mit denen hatte ich beruflich nichts zu tun –
aber es gibt da so eine Werbeagentur,
da könnte so ein Mediengestalter
am Freitag Nachmittag auf die Idee kommen:

Och, ich mache noch das Update an der Webseite.
Was soll schon schiefgehen?

Gesagt getan,
fängt er das Update an, Freitag Nachmittag 14.00 Uhr.
Fünf Minuten später geht nichts mehr,
es kommt nicht mal mehr eine Fehlermeldung.
Darauf fängt der Mediengestalter an
und ändert irgendwelche Einstellungen
in jeder Datei, die er finden kann.
Um 15.45 Uhr sind alle Chancen beseitigt,
dass das noch mal so funktioniert, wie vorher.

Unweit der Werbeagentur,
in einem ruhigen (aber nicht-klimatisierten) Büro,
klingelt das Telefon.
Der Programmierer hat schon so ein ungutes Gefühl.

(Am Telefon:) Ja bitte?
Wie, alles kaputt?
Ich soll das aus einem Backup zurückspielen?
Das ist aber eine filigrane Angelegenheit. –
Guck mal auf den Tacho,
es ist viertel-vor-Wochenden.

Ach, der Kunde soll das nicht merken?
Und der hat dafür ’ne Menge Geld bezahlt?
Merke ich nichts von,
ich rechne ab nach Tarif…

Am Montag war dann der Tag der Abrechnung:
Der Kunde hat natürlich gemerkt,
dass seine teure Webseite ausgefallen ist. – 
Die haben am Freitag Nachmittag auch nichts zu tun,
als auf der eigenen Webseite zu surfen. –
Und der Programmierer hat die Stunden doppelt abgerechnet.
Es war ja Wochenende.
Besagter Mediengestalter wurde vom Chef dann
in ein kleines, handliches Paket zusammengefaltet.
Er kommt aus der Besprechung und denkt:
„Das passiert mir nicht nochmal“.

Die Woche drauf ist der Chef im Urlaub,
aber am Freitag kommt er rein
und fordert Rechenschaft von seinen Mitarbeitern:

Die Leiterin der Kreativ-Abteilung sagt:

Siehe, ich habe meine fünf Talente eingesetzt
und fünf Zentner Geld für die Agentur verdient!

Und der Chef antwortet so was wie:

Recht so, du tüchtiger und treuer Kreativ-Knecht,
du bist über wenigem treu gewesen,
ich will dich über viel setzen;
gehe ein zu deines Herren Freude!

Und die Medienkauffrau,
die für das Rechnungswesen zuständig ist,
sagt:

Siehe, ich habe meine zwei Talente eingesetzt,
um das ganze Geschäftsjahr für den Steuerberater aufzuarbeiten.

Und der Chef kann sich vor Begeisterung kaum halten:

Recht so, du tüchtiger und treuer Rechen-Knecht, …
gehe ein zu deines Herrn Freude!

Als letztes kommt unser Freund,
der Mediengestalter an die Reihe:

„Chef,
ich hatte so viel Angst,
dass ich wieder was kaputt mache,
da habe ich die ganze Woche nur im Büro gesessen
und habe kreative Webseiten angeschaut“.

„Wie jetzt, du hast die ganze Woche nur abgehangen?“

„Ja! Aber ich habe nichts kaputt gemacht!“

3 Ihr lieben,
man muss nicht aus der Werbe-Branche sein,
um zu ahnen,
dass dies wohl die sicherster Methode ist,
ein Arbeitsverhältnis zum Ende zu bringen.

Man kann mit Recht fragen,
ob nicht der Chef es war,
der das dem Mitarbeiter eingebrockt hat.
Der ist nämlich so hart mit ihm ins Gericht gegangen,
dass er in seiner Arbeit gelähmt war.
Vor lauter Angst,
sein Chef würde ihn noch mal so zusammenfalten,
hat er gar nichts mehr gemacht.

Wenn ich das nochmal auf theologisches Denken übertrage:
Es besteht die Gefahr,
dass man aus Angst hat vor dem letzten Gericht
lieber gar nichts mehr tut.

„Bevor ich irgendwie sündige,
bin ich lieber passiv.
Dann kann mir bei der Abrechnung mit Gott
nichts mehr passieren“.

Mit dieser Haltung ist Jesus nicht einverstanden.

Im Gleichnis
werden uns der erste und der zweite Knecht
als Beispiel hingestellt.
Sie nehmen,
was ihnen gegeben ist,
und wenden es an.

Dabei gehen sie das Risiko ein, das etwas schief geht.
Anscheinend fürchten sie sich nicht vor der Reaktion des Herrn,
wenn sie scheitern.

Es gibt einige,
die wollen die Lehre vom Letzten Gericht ganz aufgeben.
Ich glaube, dass das nicht geht.

Erstens, weil das Gericht in der Bibel vorkommt.
Jesus redet oft vom Gericht
und es ist für ihn vollkommen selbstverständlich.

Zweitens denke ich:
Jesus hat recht.
Die Vorstellung vom nahen Gericht ist Evangelium –
für die Armen, Rechtlosen und Gebeutelten.
Das Gericht ist nämlich für alle –
und es ist für alle gleich.

Da mag zur Sprache kommen,
was du falsch gemacht hast.
Da kommt aber vor allem zur Sprache,
was du erlitten hast.

Wir Menschen erfahren Leid aufgrund der Sünde,
der eigenen und der von anderen.
Und das ist bei Gott nicht egal.

Wenn du leidest, ist es Gott nicht egal.

Das wird nicht einfach weggewischt,
„Schwamm drüber“,
sondern es wird nochmal angeschaut, –
zusammen, –
und unter den Augen dessen,
der alles geschaffen hat
und alles schafft.
Das letzte Gericht ist ein Ort der Heilung.

Das ist, was der dritte Knecht nicht glaubt.

Er glaubt nicht,
dass Gott ihn so sehr liebt,
dass Gottes Gericht über ihn,
- ein Ort der Gnade ist,
- der Heilung
- und des Neuwerdens.

Er schaut nicht auf Gott
mit Ehrfurcht und Vertrauen,
sondern mit Angst und Vorbehalt.
Deswegen ist ihm schon nach „Heulen und Zähneklappern“.

4 Ihr lieben,
am Anfang
habe ich den großen Bogen der Heilsgeschichte
auf die Arbeitswoche abgebildet:
- Montags wurde die Welt geschaffen,
- Donnerstag war Jesus leiblich auf der Erde
- und heute ist Freitag, bald ist Wochenende.

Jesus hat uns für diesen Freitag
nicht ohne Ausstattung gelassen:
- Wir sind sicher in ihn eingesenkt in der Taufe.
- Wir erhalten Proviant im hl. Abendmahl.
- Und Jesus will,
dass wir ohne Angst
und im Glauben
auf das letzte Gericht schauen.
Deswegen hat er
kurz vor Himmelfahrt
zu seinen Jüngern gesagt:

Nehmt hin den heiligen Geist!
Welchen ihr die Sünden erlasst,
denen sind sie erlassen;
und welchen ihr sie behaltet,
denen sind sie behalten.

Unser zu Petrus spricht der Herr:

Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben:
alles, was du auf Erden binden wirst,
soll auch im Himmel gebunden sein,
und alles, was du auf Erden lösen wirst,
soll auch im Himmel gelöst sein.

Jesus gibt uns Beichte und Lossprechung,
damit wir in der Welt angstfrei handeln können.
Er befreit uns von der Angst, die uns lähmt.

Jemand hat mir gesagt:

Mit Beichte kann ich nicht viel anfangen.

Vergebung der Sünden
habe ich doch schon im Abendmahl.
Und du sagst das immer so ausführlich:
„gegeben und vergossen
zur Vergebung aller deiner Sünden…“

Der Wert der Beichte
ist der ausdrückliche Zuspruch:

Dir sind deine Sünden vergeben.

Und das bedeutet:

Fürchte dich nicht!

Du gehst ein in das Gericht
zu deinem Heil.
Das heißt nicht, dass das nur angenehm wird,
aber du gehst ein in das Gericht zu deinem Heil
und zum Heil der Welt.

Genau so wenig müssen wir uns fürchten vor dem Tod.
Der leibliche Tod
ist quasi der Büroschlaf des Christenmenschen.
„Es ist Freitag“, 15.30 Uhr,
du nickst an Deinem Schreibtisch ein,
und Jesus kommt und weckt dich:

Wach auf, der du schläfst!
Es ist Wochenende.
Das Himmelreich ist da!

Ihm, dem Herrn Jesus Christus,
sei Ehre und Preis,
jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus! Amen.

Schönes Wochenende! 1.Kor 1,3

 Vgl. Mk 1,15 u.ö.

 Joh 20,22f

 Mt 16,19

 Nach Eph 5,14.

 Phil 4,7