13:10

Gerechtfertigt im Forum Gottes
Predigt zu Röm 8,31b–39

103 Altjahrsabend, 31. Dezember 2022, Frankfurt

Paulus möchte uns vergewissern, dass die Beziehung zwischen Gott und uns für Gott nicht in Frage steht. Er möchte uns zeigen, wie sehr Gott uns liebt. Deswegen malt er uns eine Gerichtsszene vor Augen.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater,
und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Das Wort Heiliger Schrift, das diese Predigt auslegt,
ist die Epistel für den Altjahresabend
aus Brief des Paulus an die Römer im 8. Kapitel,
so, wie wir sie gerade gehört haben.
Ich werde einige Verse im Laufe der Predigt wieder holen.

Lasst uns beten: Herr, Gott, Heiliger Geister, komm in unsere Mitte und öffne unsere Herzen, damit der Brief des Paulus an die Römer zu einem Brief an uns wird. — Amen

Liebe Brüder und Schwestern,

1 „verschont“

Gott hat seinen eigenen Sohn nicht vergeschont,
sondern für uns gegeben.

Bei den Wort für „schonen“,
das hier steht,
geht es Personen,
aber auch Resourcen und Eigentum.

Man schont das gute Geschirr
und benutzt es nur an Weihnachten.

Man schont den Geldbeutel
und heizt diesen Winter weniger als sonst.

Eine Freundin hat mir erzählt
von ihrer ersten Fahrt nach der Führerscheinprüfung.
Sie war mit dem Daimler von ihren Eltern unterwegs.
Das war so ein 80er-Jahre-Benz:
2½ Tonnen deutsche Wertarbeit
mit so einer riesigen Motorhaube.

Als sie wiederkam sagte ihre Mutter zu ihr:

Was bin ich froh,
dass du mit dem Auto unterwegs warst.
So viel Knautschzone!

Meine Freundin erzählte mir das, Jahre später.
Sie hatte gerade Streit mit ihrer Mutter. —
Streit stellt unsere Beziehungen in Frage.

Deswegen hat sie mir davon erzählt:
um sich selbst daran zu erinnern,
dass ihre Mutter den Daimler nicht geschont hätte,
wenn es um ihre Tochter geht.

Meine Freundin wollte sich vergewissern,
dass ihre Mutter sie lieb hat,
trotz des Streites.

Paulus macht in seinem Brief etwas sehr ähnliches.

Er möchte uns vergewissern,
dass die Beziehung zwischen Gott und uns
für Gott nicht in Frage steht.

Er möchte uns zeigen,
wie sehr Gott uns liebt.

Deswegen führt er uns Jesus Christus vor Augen.

In Christus ist Gott Mensch geworden,
„hat Fleisch angenommen“
und hat alles für uns gegeben.

Schau auf Jesus,
dann kannst du sehen,
wie viel Gott die Beziehung zu dir wert ist!

Das ist Paulus’ erstes Anliegen hier.

2 Forensische Rechtfertigung

Mit den nächsten zwei Versen
wechselt Paulus dann das Thema, –
bzw.: er malt uns eine neue Szene vor Augen.

Wir befinden uns vor Gericht:

33Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen?
Gott ist hier, der gerecht macht.

34Wer will verdammen?
Christus Jesus ist hier,
der gestorben ist,
ja vielmehr, der auch auferweckt ist,
der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt.

Vor Gericht geht es um Beziehung.
Das deutsche Rechtssystem unterscheidet Zivilrecht
und Strafrecht.

Beim Zivilrecht geht es darum,
dass Menschen untereinander Hilfe brauchen,
ihre Beziehung zu klären:
- Geschäftspartner,
- Mieter und Vermieter,
- Eheleute, die eine Scheidung aushandeln.

Strafrecht bedeutet,
dass der Gesellschaftsvertrag gebrochen wurde:
- Du sollst nicht betrügen,
- du sollst nicht stehlen,
- du sollst nicht töten. —
Hier muss die Beziehung zwischen einem Menschen
und der Gemeinschaft repariert werden.

Paulus denkt an eine Gerichtsverhandlung,
bei der die Beziehung zwischen Gott und uns
verhandelt wird.

Was wird da der Vorwurf sein? —

Alles, an uns, was gegen Gott ist.

Alles, was wir getan oder unterlassen haben
gegen Gottes Gesetz.

Auch auf unserer Seite könnten da Vorwürfe sein,
ob sie Gott gegenüber berechtigt sind, oder nicht.
Wenn ich auf mein letztes Jahr zurückblicke,
gibt es durchaus Dinge,
die diesen ähnlich sind:

Trübsal
und Angst
und Verfolgung
und Hunger
und Blöße (kalt!)
und Gefahr
und Schwert?

Manche dieser Begriffe muss ich etwas dehnen,
damit sie auf mein Leben passen.
„Verfolgung“ leide ich nun nicht gerade;
oder Schwert…

Doch es herrscht Krieg auf unserem Kontinent,
der zum Teil mit deutschen Waffen gekämpft wird.

Ich habe zwar nicht wirklich in meiner Blöße gefroren,
aber ich hab mir dreimal überlegt,
ob ich die Heizung anmache.

Die Angst vor der Zukunft ist nicht „Null“, sondern real.

Meine Sünde und ihre Folgen stehen zwischen mir und Gott.
Welcher Schiedsrichter wird zwischen uns vermitteln?
Wer wird mein Anwalt oder mein Fürsprecher sein?

Christus!

Auf ihn zeigt Paulus und sagt:
Nichts kann uns scheiden von seiner Liebe.

Um seiner Gerechtigkeit willen
sieht Gott uns als gerecht an.

Was ein merkwürdiges Gericht,
in dem der Richter selbst zu unserem Anwalt wird!
Gott der Richter schont sein Eigentum nicht
und lässt sich seine Beziehung zu dir etwas kosten. —

Glaubst du das?

Glaubst du, dass du so wertvoll bist,
dass Gott das tun würde?

Glaubst du an Gottes Liebe?

Der Unglaube wird das immer wieder in Zweifel ziehen.

Es muss doch irgendwie von Werken abhängen…

Nein! Es hängt nicht an unseren Werken,
nicht an vorherigen, gegenwärtigen oder späteren.

Es kann doch nicht nur eine Sache der Beziehung sein.
Da muss doch irgendeine Substanz dahinter sein.
Wir müssen doch eine Seele haben,
die sich spürbar mit Gott vereint, hier und jetzt.

Nein! Es hängt nicht am Wesen deiner Seele.
Das ist nur die Spekulation von Philosophen.
Es geht auch nicht um Extase oder flauschige Gefühle.

Dann muss es irgendwas mit meinem Körper zu tun haben:
- Wie stark ich bin,
- wie jung ich bin,
- wie leistungsfähig ich bin,
- wie gut ich aussehe.
- Oder: wie keusch ich bin und brav,
das muss es sein!

Nein, da ist es alles nicht.
Es geht nur um Beziehung.
Diese Gerechtigkeit kommt von außerhalb von uns.
Sie ist unabhängig von unserem
- Verdienst,
- Werk
- und Tugend.
Sie steht allein bei dem Herrn Christus.

Es geht nur um Beziehung.
In Fachkreisen redet man von einem
„forensischen“ Verständnis von Rechtfertigung.
Es geht um unseren Stand im Forum vor Gott.

Und auf unserer Seite heißt diese Beziehung „Glaube“.
Weil es nur um Beziehung geht, ist es auch der Glaube allein,
der die Gnade Gottes ergreift.

Du bist ein geliebtes Kind Gottes.

Du bist Gott so wertvoll,
dass Jesus für dich leidet und stirbt.

Wenn ein Mensch das glaubt,
macht das etwas mit ihm.
Solcher Glaube lässt niemanden kalt,
sondern bringt ihn aus der Ruhelage.

Die guten Werke folgen aus der Gerechtigkeit,
die vor Gott gilt.

Unser Leben in der Welt
mag dann immer noch nicht perfekt sein,
aber Gottes Gnade öffnet uns für Reue und Buße.
Gottes Liebe schafft uns neu
und nimmt uns alle Angst.

Wir sind geborgen in Jesus.

3 Schluss

Ihr lieben,
der Altjahresabend ist eine Gelegenheit des Rückblicks,
des Ausblicks
und der guten Wünsche.

Im Rückblick hoffe ich,
dass ihr Gottes liebevolle Führung und Gegenwart
in euren Schritten im letzten Jahr nachvollziehen konntet.
Nach dieser Predigt folgt die Offene Schuld.
Sie will ein Raum sein,
in dem wir uns selbst ganz bewusst auf Christus ausrichten
und seinen Zuspruch ganz deutlich hören.

Dies mag einen Ausblick auf das neue Jahr ermöglichen,
der ungetrübt ist vom Alten.
- Die neue Geburt in Christus
- und die kommende Welt des Himmelreiches
mögen unser Leben bestimmen!

Ich wünsche euch als euer Pfarrer,
dass ihr unter dieser Kanzel Gottes Wort hört
und an diesem Altar euer Glauben gestärkt werde
zum ewigen Leben.

38Ich bin gewiss, dass
- weder Tod noch Leben,
- weder Engel noch Mächte noch Gewalten,
- weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,
- 39weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur
uns scheiden kann von der Liebe Gottes,
die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus! Amen.

Offene Schuld

(Die Gemeinde erhebt sich)

P: Liebe Brüder und Schwester im Herrn Jesus Christus,

lasst uns miteinander vor Gott bekennen,
dass wir gesündigt haben mit Gedanken, Worten und Werken,
auch aus eigener Kraft
uns von unserem sündigen Wesen nicht erlösen können.

Darum nehmen wir Zuflucht
zu der grundlosen Barmherzigkeit Gottes,
unseres himmlischen Vaters,
begehren Gnade um Christi willen und sprechen:
Gott sei mir Sünder gnädig.

P+G: Der allmächtige Gott erbarme sich unser,
er vergebe uns unsere Sünde
und führe uns zum ewigen Leben. Amen.

P: Der allmächtige, barmherzige Gott hat sich unser erbarmt, seinen einzigen Sohn für unsere Sünde in den Tod gegeben
und uns um seinetwillen verziehen.
Er hat allen denen, die an seinen Namen glauben,
Vollmacht gegeben,
Gottes Kinder zu werden
und ihnen seinen heiligen Geist verheißen.

Wer da glaubt und getauft wird,
der wird selig werden.
Das verleihe Gott uns allen.

G: Amen.

Predigtabschnitt

31bIst Gott für uns, wer kann wider uns sein?
32Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat,
sondern hat ihn für uns alle dahingegeben –
wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?

33Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen?
Gott ist hier, der gerecht macht.

34Wer will verdammen?
Christus Jesus ist hier,
der gestorben ist,
ja vielmehr, der auch auferweckt ist,
der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt.

35Wer will uns scheiden von der Liebe Christi?
Trübsal
oder Angst
oder Verfolgung
oder Hunger
oder Blöße
oder Gefahr
oder Schwert? —
36wie geschrieben steht:

Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag;
wir sind geachtet wie Schlachtschafe.

37Aber in dem allen überwinden wir weit
durch den, der uns geliebt hat.

38Denn ich bin gewiss, dass
- weder Tod noch Leben,
- weder Engel noch Mächte noch Gewalten,
- weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,
- 39weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur
uns scheiden kann von der Liebe Gottes,
die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. 1.Kor 1,3

 φείδομαι: (ver-) schonen, auf etwas verzichten oder absehen (Bauer/Aland)

 Let me tell you something, jailbird: Batman doesn’t do ships. – What?? – As in relation-ships. There is no “us”. Batman and Joker are not a thing. I don’t need you. I don’t need anyone. You mean nothing to me. No one does.

 Vgl. 1. Joh 2,1.

 FC 3, „auch ohne alle vorhergehenden, gegenwärtigen oder auch folgende Werke“, BSELK S. 1390.

 Es ist auch unrecht, wenn gelehrt wird, dass der Mensch anderer Gestalt oder durch etwas anderes selig werden müssen, als wie der für (= vor) Gott gerechtfertigt wird […] BSELK 1408, vgl. BSELK 1234 Fn. 73 zu A. Osiander (als „Osiandrischer Streit“ in die Theologiegeschichte eingegangen).

 Paraphrase von FC 3, BSELK 1410.

 Vgl. BSELK 1398.

 Vgl. BSELK 1394f.

 Phil 4,7

 Psalm 44,23

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater,
und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Das Wort Heiliger Schrift, das diese Predigt auslegt,
ist die Epistel für den Altjahresabend
aus Brief des Paulus an die Römer im 8. Kapitel,
so, wie wir sie gerade gehört haben.
Ich werde einige Verse im Laufe der Predigt wieder holen.

Lasst uns beten: Herr, Gott, Heiliger Geister, komm in unsere Mitte und öffne unsere Herzen, damit der Brief des Paulus an die Römer zu einem Brief an uns wird. — Amen

Liebe Brüder und Schwestern,

1 „verschont“

Gott hat seinen eigenen Sohn nicht vergeschont,
sondern für uns gegeben.

Bei den Wort für „schonen“,
das hier steht,
geht es Personen,
aber auch Resourcen und Eigentum.

Man schont das gute Geschirr
und benutzt es nur an Weihnachten.

Man schont den Geldbeutel
und heizt diesen Winter weniger als sonst.

Eine Freundin hat mir erzählt
von ihrer ersten Fahrt nach der Führerscheinprüfung.
Sie war mit dem Daimler von ihren Eltern unterwegs.
Das war so ein 80er-Jahre-Benz:
2½ Tonnen deutsche Wertarbeit
mit so einer riesigen Motorhaube.

Als sie wiederkam sagte ihre Mutter zu ihr:

Was bin ich froh,
dass du mit dem Auto unterwegs warst.
So viel Knautschzone!

Meine Freundin erzählte mir das, Jahre später.
Sie hatte gerade Streit mit ihrer Mutter. —
Streit stellt unsere Beziehungen in Frage.

Deswegen hat sie mir davon erzählt:
um sich selbst daran zu erinnern,
dass ihre Mutter den Daimler nicht geschont hätte,
wenn es um ihre Tochter geht.

Meine Freundin wollte sich vergewissern,
dass ihre Mutter sie lieb hat,
trotz des Streites.

Paulus macht in seinem Brief etwas sehr ähnliches.

Er möchte uns vergewissern,
dass die Beziehung zwischen Gott und uns
für Gott nicht in Frage steht.

Er möchte uns zeigen,
wie sehr Gott uns liebt.

Deswegen führt er uns Jesus Christus vor Augen.

In Christus ist Gott Mensch geworden,
„hat Fleisch angenommen“
und hat alles für uns gegeben.

Schau auf Jesus,
dann kannst du sehen,
wie viel Gott die Beziehung zu dir wert ist!

Das ist Paulus’ erstes Anliegen hier.

2 Forensische Rechtfertigung

Mit den nächsten zwei Versen
wechselt Paulus dann das Thema, –
bzw.: er malt uns eine neue Szene vor Augen.

Wir befinden uns vor Gericht:

33Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen?
Gott ist hier, der gerecht macht.

34Wer will verdammen?
Christus Jesus ist hier,
der gestorben ist,
ja vielmehr, der auch auferweckt ist,
der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt.

Vor Gericht geht es um Beziehung.
Das deutsche Rechtssystem unterscheidet Zivilrecht
und Strafrecht.

Beim Zivilrecht geht es darum,
dass Menschen untereinander Hilfe brauchen,
ihre Beziehung zu klären:
- Geschäftspartner,
- Mieter und Vermieter,
- Eheleute, die eine Scheidung aushandeln.

Strafrecht bedeutet,
dass der Gesellschaftsvertrag gebrochen wurde:
- Du sollst nicht betrügen,
- du sollst nicht stehlen,
- du sollst nicht töten. —
Hier muss die Beziehung zwischen einem Menschen
und der Gemeinschaft repariert werden.

Paulus denkt an eine Gerichtsverhandlung,
bei der die Beziehung zwischen Gott und uns
verhandelt wird.

Was wird da der Vorwurf sein? —

Alles, an uns, was gegen Gott ist.

Alles, was wir getan oder unterlassen haben
gegen Gottes Gesetz.

Auch auf unserer Seite könnten da Vorwürfe sein,
ob sie Gott gegenüber berechtigt sind, oder nicht.
Wenn ich auf mein letztes Jahr zurückblicke,
gibt es durchaus Dinge,
die diesen ähnlich sind:

Trübsal
und Angst
und Verfolgung
und Hunger
und Blöße (kalt!)
und Gefahr
und Schwert?

Manche dieser Begriffe muss ich etwas dehnen,
damit sie auf mein Leben passen.
„Verfolgung“ leide ich nun nicht gerade;
oder Schwert…

Doch es herrscht Krieg auf unserem Kontinent,
der zum Teil mit deutschen Waffen gekämpft wird.

Ich habe zwar nicht wirklich in meiner Blöße gefroren,
aber ich hab mir dreimal überlegt,
ob ich die Heizung anmache.

Die Angst vor der Zukunft ist nicht „Null“, sondern real.

Meine Sünde und ihre Folgen stehen zwischen mir und Gott.
Welcher Schiedsrichter wird zwischen uns vermitteln?
Wer wird mein Anwalt oder mein Fürsprecher sein?

Christus!

Auf ihn zeigt Paulus und sagt:
Nichts kann uns scheiden von seiner Liebe.

Um seiner Gerechtigkeit willen
sieht Gott uns als gerecht an.

Was ein merkwürdiges Gericht,
in dem der Richter selbst zu unserem Anwalt wird!
Gott der Richter schont sein Eigentum nicht
und lässt sich seine Beziehung zu dir etwas kosten. —

Glaubst du das?

Glaubst du, dass du so wertvoll bist,
dass Gott das tun würde?

Glaubst du an Gottes Liebe?

Der Unglaube wird das immer wieder in Zweifel ziehen.

Es muss doch irgendwie von Werken abhängen…

Nein! Es hängt nicht an unseren Werken,
nicht an vorherigen, gegenwärtigen oder späteren.

Es kann doch nicht nur eine Sache der Beziehung sein.
Da muss doch irgendeine Substanz dahinter sein.
Wir müssen doch eine Seele haben,
die sich spürbar mit Gott vereint, hier und jetzt.

Nein! Es hängt nicht am Wesen deiner Seele.
Das ist nur die Spekulation von Philosophen.
Es geht auch nicht um Extase oder flauschige Gefühle.

Dann muss es irgendwas mit meinem Körper zu tun haben:
- Wie stark ich bin,
- wie jung ich bin,
- wie leistungsfähig ich bin,
- wie gut ich aussehe.
- Oder: wie keusch ich bin und brav,
das muss es sein!

Nein, da ist es alles nicht.
Es geht nur um Beziehung.
Diese Gerechtigkeit kommt von außerhalb von uns.
Sie ist unabhängig von unserem
- Verdienst,
- Werk
- und Tugend.
Sie steht allein bei dem Herrn Christus.

Es geht nur um Beziehung.
In Fachkreisen redet man von einem
„forensischen“ Verständnis von Rechtfertigung.
Es geht um unseren Stand im Forum vor Gott.

Und auf unserer Seite heißt diese Beziehung „Glaube“.
Weil es nur um Beziehung geht, ist es auch der Glaube allein,
der die Gnade Gottes ergreift.

Du bist ein geliebtes Kind Gottes.

Du bist Gott so wertvoll,
dass Jesus für dich leidet und stirbt.

Wenn ein Mensch das glaubt,
macht das etwas mit ihm.
Solcher Glaube lässt niemanden kalt,
sondern bringt ihn aus der Ruhelage.

Die guten Werke folgen aus der Gerechtigkeit,
die vor Gott gilt.

Unser Leben in der Welt
mag dann immer noch nicht perfekt sein,
aber Gottes Gnade öffnet uns für Reue und Buße.
Gottes Liebe schafft uns neu
und nimmt uns alle Angst.

Wir sind geborgen in Jesus.

3 Schluss

Ihr lieben,
der Altjahresabend ist eine Gelegenheit des Rückblicks,
des Ausblicks
und der guten Wünsche.

Im Rückblick hoffe ich,
dass ihr Gottes liebevolle Führung und Gegenwart
in euren Schritten im letzten Jahr nachvollziehen konntet.
Nach dieser Predigt folgt die Offene Schuld.
Sie will ein Raum sein,
in dem wir uns selbst ganz bewusst auf Christus ausrichten
und seinen Zuspruch ganz deutlich hören.

Dies mag einen Ausblick auf das neue Jahr ermöglichen,
der ungetrübt ist vom Alten.
- Die neue Geburt in Christus
- und die kommende Welt des Himmelreiches
mögen unser Leben bestimmen!

Ich wünsche euch als euer Pfarrer,
dass ihr unter dieser Kanzel Gottes Wort hört
und an diesem Altar euer Glauben gestärkt werde
zum ewigen Leben.

38Ich bin gewiss, dass
- weder Tod noch Leben,
- weder Engel noch Mächte noch Gewalten,
- weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,
- 39weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur
uns scheiden kann von der Liebe Gottes,
die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus! Amen.

Offene Schuld

(Die Gemeinde erhebt sich)

P: Liebe Brüder und Schwester im Herrn Jesus Christus,

lasst uns miteinander vor Gott bekennen,
dass wir gesündigt haben mit Gedanken, Worten und Werken,
auch aus eigener Kraft
uns von unserem sündigen Wesen nicht erlösen können.

Darum nehmen wir Zuflucht
zu der grundlosen Barmherzigkeit Gottes,
unseres himmlischen Vaters,
begehren Gnade um Christi willen und sprechen:
Gott sei mir Sünder gnädig.

P+G: Der allmächtige Gott erbarme sich unser,
er vergebe uns unsere Sünde
und führe uns zum ewigen Leben. Amen.

P: Der allmächtige, barmherzige Gott hat sich unser erbarmt, seinen einzigen Sohn für unsere Sünde in den Tod gegeben
und uns um seinetwillen verziehen.
Er hat allen denen, die an seinen Namen glauben,
Vollmacht gegeben,
Gottes Kinder zu werden
und ihnen seinen heiligen Geist verheißen.

Wer da glaubt und getauft wird,
der wird selig werden.
Das verleihe Gott uns allen.

G: Amen.

Predigtabschnitt

31bIst Gott für uns, wer kann wider uns sein?
32Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat,
sondern hat ihn für uns alle dahingegeben –
wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?

33Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen?
Gott ist hier, der gerecht macht.

34Wer will verdammen?
Christus Jesus ist hier,
der gestorben ist,
ja vielmehr, der auch auferweckt ist,
der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt.

35Wer will uns scheiden von der Liebe Christi?
Trübsal
oder Angst
oder Verfolgung
oder Hunger
oder Blöße
oder Gefahr
oder Schwert? —
36wie geschrieben steht:

Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag;
wir sind geachtet wie Schlachtschafe.

37Aber in dem allen überwinden wir weit
durch den, der uns geliebt hat.

38Denn ich bin gewiss, dass
- weder Tod noch Leben,
- weder Engel noch Mächte noch Gewalten,
- weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,
- 39weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur
uns scheiden kann von der Liebe Gottes,
die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. 1.Kor 1,3

 φείδομαι: (ver-) schonen, auf etwas verzichten oder absehen (Bauer/Aland)

 Let me tell you something, jailbird: Batman doesn’t do ships. – What?? – As in relation-ships. There is no “us”. Batman and Joker are not a thing. I don’t need you. I don’t need anyone. You mean nothing to me. No one does.

 Vgl. 1. Joh 2,1.

 FC 3, „auch ohne alle vorhergehenden, gegenwärtigen oder auch folgende Werke“, BSELK S. 1390.

 Es ist auch unrecht, wenn gelehrt wird, dass der Mensch anderer Gestalt oder durch etwas anderes selig werden müssen, als wie der für (= vor) Gott gerechtfertigt wird […] BSELK 1408, vgl. BSELK 1234 Fn. 73 zu A. Osiander (als „Osiandrischer Streit“ in die Theologiegeschichte eingegangen).

 Paraphrase von FC 3, BSELK 1410.

 Vgl. BSELK 1398.

 Vgl. BSELK 1394f.

 Phil 4,7

 Psalm 44,23