14:37

Sendschreiben nach Laodizea
Predigt zu Apk 3,14–22

99 1. Advent, 27. November 2022, Frankfurt

Das Buch der Offenbarung enthält sieben „Sendschreiben“ von Jesus an Gemeinde. Jedes Schreiben enthält Lob und Tadel, – bis auf das letzte, das wir heute morgen hören.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater,
und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Das Wort Heiliger Schrift, das diese Predigt auslegt,
steht geschrieben in der Offenbarung des Johannes
im 3. Kapitel.
In diesem Kapitel stehen sieben „Sendschreiben“ an Gemeinden,
sieben Abschnitte,
die Jesus dem Seher aufgibt
und die namentlich an konkrete Gemeinden adressiert sind.
Jeders Schreiben enthält Lob und Tadel, –
bis auf das letzte, das wir heute morgen hören.

Der Herr befielt dem Seher:

Dem Engel der Gemeinde in Frankfurt schreibe:

Verzeihung!

14Dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe:
Das sagt der, der Amen heißt,
der treue und wahrhaftige Zeuge,
der Anfang der Schöpfung Gottes:

15Ich kenne deine Werke,
dass du weder kalt noch warm bist.

Ach, dass du kalt oder warm wärest!

16Weil du aber lau bist
und weder warm noch kalt,
werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.

17Du sprichst:

Ich bin reich und habe genug.
Ich brauche nichts!

und weißt nicht,
dass du elend und jämmerlich bist,
- arm,
- blind
- und bloß.

18Ich rate dir,

dass du Gold von mir kaufst,
das im Feuer geläutert ist,
damit du reich werdest,

und weiße Kleider,
damit du sie anziehst
und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde,

und Augensalbe,
deine Augen zu salben,
damit du sehen mögest.

19Welche ich liebhabe,
die weise ich zurecht
und züchtige ich.

So sei nun eifrig und tue Buße!

20Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an.
Wenn jemand meine Stimme hören wird
und die Tür auftun,
zu dem werde ich hineingehen
und das Abendmahl mit ihm halten
und er mit mir.

21Wer überwindet,
dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen,
wie auch ich überwunden habe
und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen Thron.

22Wer Ohren hat,
der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

Lasst uns beten:
Herr Gott, himmlischer Vater,
schenke uns den den Schatz des Himmels,
ziehe uns die Kleider der neuen Geburt an
und öffne uns die Augen durch dein Wort.
Amen.

Liebe Brüder und Schwestern,

1 was muss der Herr Jesus
die Gemeinde in Laodizea lieb haben!

19Welche ich liebhabe,
die weise ich zurecht
und züchtige ich.

Und das tut er:

15Ich kenne deine Werke,
dass du weder kalt noch warm bist…

16Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt,
werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.

Sei entweder Kalter Kaffee,
mit einer Kugel Vanilleeis drin,
oder sei heiß.
Du bist irgendwo dazwischen.
Das geht gar nicht,
das ist ungenießbar! —

Da frage ich mich sofort:
Wie ist das denn mit mir?
Brenne ich im Glauben,
oder bin ich auch irgendwo dazwischen?

Wenn ich Menschen erlebe,
die einen starken Glauben zu haben scheinen,
kriege ich machmal Angst.
Ich frage mich:
Sprechen die im Heiligen Geist,
oder hören die sich selber gerne reden?

Sie sagen:

Jesus Christus ist die Wahrheit
und deswegen haben wir recht.

Ich bin da vorsichtiger.
Mein Glaube ist mit Zweifeln durchsetzt.

Aber ist das nicht eine lauwarme Haltung?
Eine, die zu feige ist,
sich der Gegenwehr zu stellen?
Sollten wir nicht –
mit der Bibel in der Hand –
genau beurteilen,
was gut und was böse ist?

12Das Wort Gottes ist lebendig und kräftig
und schärfer als jedes zweischneidige Schwert,
und dringt durch,
bis es scheidet
- Seele und Geist,
- auch Mark und Bein,
und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.

Aber das heißt doch,
das Wort Gottes trifft zuallererst mal mich.

Wenn ich im Gericht bestehe,
dann ist das nicht wegen mir,
sondern wegen Christus.

Nicht: Ich habe die Wahrheit,
sondern: Die Wahrheit hat mich.

Starker Glaube ist,
wo wir loslassen
und uns auf Christus verlassen.

Starker Glaube ist nicht laut und hart,
sondern demütig und sanftmütig.

Starker Glaube schaut nicht auf sich selbst,
sondern auf Christus.

2 Deswegen ist es gegen Christus,
wenn eine Gemeinde sagt:

Ich bin reich und habe genug.
Ich brauche nichts!

Die Trinitatisgemeinde ist reich an Geld.
Sie hat gerade das zweite Pfarrhaus verkauft
mit beeindruckendem Ertrag.

Die Trinitatisgemeinde ist reich an Gliedern.
750 stehen auf der Liste.

Doch nicht die vielen Euros machen uns reich,
nicht die vielen Menschen auf dem Papier,
sondern Christus in unserer Mitte.

Ich habe den Abendmahlskelch
und die Hostiendose der St. Martinsgemeinde
auf den Altar gestellt.
Das ist eine der Vorgängergemeinden
unserer Trinitatisgemeinde.

Im Vergleich zu den eher schlichten Gefäßen,
die wir in Gebrauch haben,
sind sie viel größer und reich verziert.

Diese Gestaltung will uns zeigen,
dass hier das Wertvollste ist,
was wir haben:
der Leib und das Blut Christi.

Die Stärke daran ist,
dass man sagt:

Whow,
wie wertvoll diese Verpackung ist,
wie wertvoll ist dann erst der Inhalt!

Die Schwäche ist,
dass es vom Inhalt ablenkt:

Gegenüber dem silbernen Kelch
ist der Wein doch sehr gewöhnlich
und das Brot arm an Geschmack.

Wenn es schlecht läuft,
blendet uns der Schmuck des Kelches
und wir verlieren das Eigentliche aus den Augen:
Christus,
der leiblich in unserer Mitte ist,
und uns Leben schenkt.

Christus macht uns reich.

Die Trinitatisgemeinde hat diese schöne Kirche.
Sie ist hell und freundlich,
auf einem eigenen Grundstück,
in bester Lage.

Ich bin reich und habe genug.
Ich brauche nichts!

Der Tag wird kommen,
da wird die Gemeinde die Kraft nicht mehr haben,
die Kirche zu putzen
und das Grundstück zu pflegen.
Dann müssen wir eine Firma bezahlen,
um diese Arbeit zu leisten.

Ich bin reich und habe genug.
Ich brauche nichts!

Das geht so lange gut,
wie das Geld dafür da ist. —
Und dann?

Ich bin arm.
Ich leide Mangel.
Herr, ich brauche dich!

Christus hat das Abendmahl eingesetzt
mit einem Becher aus Holz,
nicht mit einem silbernen Kelch.
Nicht die Verpackung macht das Wesen des Abendmahls aus,
sondern der Inhalt.
Nicht dieses Haus macht aus uns eine Gemeinde,
sondern dass Christus uns zusammenruft –
zu seinem Abendmahl –
und dass Christus uns zusammenschweißt
zu einer Gemeinde.

Auch wenn die Zahlen kleiner werden,
- die Zahlen vor den Euros
- und die Zahlen in der Statistik:
Gott hat einen Plan für diese Gemeinde.
Sie ist ihm wertvoll.

Er schenkt sich ihr.

Er redet zu ihr und öffnet ihr die Augen in seinem Wort.

Er kleidet sie in unbefleckte, weiße Kleider
durch seine Vergebung.

3 Ihr lieben,
nicht nur an unserer Gemeinde
müssen wir den Lauf der Zeit anschauen
und annehmen.
Auch in unserem persönlichen Leben
sehen wir Entwicklung,
Wachsen, und Gedeihen –
aber auch Vergehen.

Wenn wir jung sind sagen wir:
Ich bin gesund,
ich habe Kraft,
ich sehe gut aus.

Ich bin reich und habe genug.
Ich brauche nichts!

In der Mitte des Lebens
steckt man den Stress nicht mehr so leicht weg,
aber man ist angekommen
und hat sich eingerichtet.
Man schafft viel mehr Arbeit
und bewegt viel,
weil man weiß, wie’s läuft.

Ich bin reich und habe genug.
Ich brauche nichts!

Je älter man wird,
desto mehr steht die eigene Kraft aber in Frage.

Wenn
- unser Aussehen,
- unsere Kraft
- und unsere Leistung
unseren Wert ausmachen,
wie sind wir dann noch reich,
wenn sie gehen?

Wenn eine Krankheit uns aus der Gewohnheit reißt
und uns ausbremst,
wie können wir dann noch genug geben,
um wertvoll zu sein?

Es kommt nicht auf Äußerlichkeiten an,
- was du schaffst,
- wie viel du angehäuft hast,
- wie viele Häuser du gebaut hast.
Es kommt auf Christus an.

Christus spricht:

20Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an.
Wenn jemand meine Stimme hören wird
und die Tür auftun,
zu dem werde ich hineingehen
und das Abendmahl mit ihm halten
und er mit mir.

Das Abendmahl,
das wir hier feiern,
steht auf einer Linie
mit dem Abendmahl im Himmel.

Er ist der Schatz im Himmel,
der dir nie genommen werden kann.

Das ist das Erbe,
auf das du bis zum Ende wartest,
das dich aber jetzt schon reich macht.

22Wer Ohren hat,
der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus! Amen. 1.Kor 1,3

 Heb 4,12

 „So sei nun eifrig und tue Buße!“ (Vers 19)

 So würde man bei einem Schreiner vermuten.

 Vgl. Vers 18.

 Phil 4,7