07:37

Open Dialog: Selbstwert und Identität
Predigt zu Jes 43,1.3–4.3–4

Man sagt was peinliches und hofft, dass der Boden sich auftue und einen verschlingt. Schäme dich nicht, denn du bist bei Gott geliebt.

Der Prophet Jesaja sagt im 43. Kapitel:

Jes 43,1Und nun spricht der Herr,
der dich geschaffen hat, Jakob,
und dich gemacht hat, Israel:
Fürchte dich nicht,
denn ich habe dich erlöst;
ich habe dich bei deinem Namen gerufen;
du bist mein! […]

3Denn ich bin der Herr, dein Gott,
der Heilige Israels,
dein Heiland.
Ich habe Ägypten für dich als Lösegeld gegeben,
Kusch und Seba an deiner Statt,
4weil du in meinen Augen so wertgeachtet
und auch herrlich bist
und weil ich dich liebhabe. —

(1) Das ist eine Liebeserklärung Gottes
an sein auserwähltes Volk.

Das Wort „Heiland“, das hier steht,
könnte man ebensogut übersetzen mit „Erlöser“.
Beide Worte haben für uns nur noch religiöse Bedeutung,
aber für die Menschen damals
war damit eine rechtliche Vorstellung verbunden.
Der „Erlöser“ ist derjenige Verwandte,
der vom Gesetz her verpflichtet ist,
dich durchzufüttern,
wenn du mit deinem Bauernhof gescheitert bist.

Und das war alles andere als unmöglich.
Das waren alles Bauern damals.
Wenn du eine Missernte hattest
oder Insektenbefall
oder so etwas,
hattest du nichts zu essen.
So kam man schnell in eine lebensbedrohliche Situationb .

Für den „Erlöser“ war das natürlich eine teure Angelegenheit.
Das erfordert den Griff in das eigene Portemonnaie,
das Öffnen der eigenen Scheune,
einem vielleicht entfernten Verwandten
das Getreide zur Verfügung zu stellen für einen Neuanfang,
den Deckel zu bezahlen,
also: das „Lösegeld“ zu geben. —

In diese rechtliche Situation rein
sagt Gott durch den Propheten:

Ich habe Ägypten für dich als Lösegeld gegeben,
Kusch und Seba an deiner Statt.

Ägypten, Kusch und Seba,
das waren die schicken,
wohlhabenden,
erfolgreichen Länder damals.
Ägypten war das Land der unbegrenzten Möglichkeiten,
wo alles größer, besser, schöner und glänzender war.
Hätte es damals schon Kino gegeben,
wären alle Blockbuster aus Alexandria gekommen. —

Dagegen sitzen die Israeliten im grauen Alltag ihres Exils.
Und selbst für diejenigen,
die es geschafft haben,
ins „gelobte Land“ zurückzukehren,
ist der Alltag mitgekommen –
mit seinen Problemen, seinen Konflikten,
mit dem ganzen nervigen Klein-Klein,
das das Leben mit sich bringt –
ganz ohne jeden
Hollywood- Alexandria-Glanz.

Diese tollen Länder,
die strahlenden,
die schönen,
die erfolgreichen,
die sind alle Gottes Eigentum
und er gibt sie her,
er setzt sie ein als Lösegeld,
für dich,

4weil du in meinen Augen so wertgeachtet
und auch herrlich bist
und weil ich dich liebhabe.

(2) Diese Liebeserklärung Gottes
ist mir gegenübergetreten in Jesus Christus.

Der Menschensohn ist gekommen, […]
dass sein Leben gebe als Lösegeld für viele.
1

Gott selbst ist Mensch geworden
und hat sich zu mir in den Regen gestellt.

Er erniedrigte sich selbst
und ward gehorsam bis zum Tode,
ja zum Tode am Kreuz.
2

In Christus hat Gott mich angenommen
mit allem,
was dazugehört: Leib, Seele, Geist.
Und selbst den Tod hat er nicht ausgespart.
Er hat nicht gesagt:

So, jetzt ist aber mal Schluss!
Immerhin bin ich Gott!
So ähnlich
muss ich mich den Sündern nun auch nicht machen!

Sondern er hat das durchgezogen bis zum Schluss,
bis zu Tod und Auferstehung –
und selbst darüber hinaus.
Er schenkt sich mir im Heiligen Abendmahl
und segnet mich mit Vergebung,
wenn ich ihn darum bitte.

(3) Deswegen steht mein Wert
und mein Lebensrecht nie in Frage!

Kennt ihr das,
wenn man irgendwas Dummes sagt,
und man schämt sich
und man wünscht sich,
dass der Boden sich auftue
und einen verschluckt?

Das ist Quatsch, so brauchst du dich nicht fühlen!

Dass man mal danebengreift
und was Dummes sagt:
Das passiert jedem mal!

Aber du bist nie vollkommen in Frage gestellt.
Die Erde wird sich nicht auftun vor dir,
und dich verschlucken wie einen Ork vor dem schwarzen Tor,
sondern sie wird dich weiter gerne tragen.

Du bist ein Kind Gottes,
wertgeachtet und geliebt. —
Von dieser Grundwahrheit aus
kannst du dann mit der Situation umgehen,
dich entschuldigen, wenn es notwendig ist,
Dinge klarstellen, die vielleicht missverständlich waren. — 

Oder:
Man hat einen Pickel auf der Nase
und kann das eigene Gesicht im Spiegel
nicht mehr ertragen. —

Unsinn!

Ja, da ist ein Pickel,
doch dein Gesicht ist von Gott selbst gut gemacht.
Jesus Christus hat ein menschliches Gesicht
wie deins.
Sie haben ihn geschlagen,
sie haben ihn bespuckt
und sie haben ihm die Dornenkrone aufgesetzt,
doch in alledem hat er nicht aufgehört,
Gottes Sohn zu sein. —

Genau so steht dein Wert bei Gott steht nicht in Frage.
Gott schaut dein Gesicht gerne an
und auch du kannst dein Gesicht gerne im Spiegel betrachten.
Gerade dann nämlich kannst du passende Maßnahmen ergreifen
und umgehen mit den Dingen,
die du siehst.

Was ich jetzt gesagt habe gilt im Kleinen wie im Großen.
Meine Beispiele waren Kleinigkeiten,
aber auch die Dinge,
- die dich trennen von Gott,
- die zwischen dir und deinem Nächsten stehen,
- ja, auch die Dinge,
die dich von dir selbst entfremden:
Bei Gott sind sie längst überwunden.
Dein Wert steht bei ihm nicht in Frage.

Jesus Christus ist dein Erlöser.

Der Herr lässt sein Angesicht leuchten über dir
und sieht dein Gesicht gern,
wenn du zurückschaust.
Das nennen wir: glauben.

Denn also hat Gott die Welt geliebt,
dass er seinen einzigen Sohn gab,
damit alle, die an ihn glauben,
nicht verloren werden,
sondern das ewige Leben haben.
3

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus!4 Amen.

1 Nach Mk 19,45.


2 Phil 2,8


3 Joh 3,16


4 Phil 4,7


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