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Die Reise
Predigt zu Ex 2,1–11

204 Christvesper, 24. Dezember 2025, Höchst

Gott ist ein Gott, der mitgeht. Das ist eine der ältesten und tiefsten Glaubenserfahrungen, die uns die Bibel vermittelt.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater,
und dem Herrn Jesus Christus.
1 Amen.

Liebe Gemeinde,

das Christkind ist auf einer Reise geboren.

Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa,
aus der Stadt Nazareth,
in das jüdische Land zur Stadt Davids,
die da heißt Bethlehem,
weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war.

Schon die ersten Geschichten,
die wir in der Bibel über das Volk Israel hören,
sind Reise-Geschichten.
Abraham und seine Familie waren Nomaden.
Die hatten keinen festen Wohnsitz,
keinen Bauernhof mit Äckern und Feldern,
sondern die hatten Herden von Vieh,
das sie mal hier und mal dort haben weiden lassen.
Die waren ständig auf der Reise.
Die Grunderfahrung des Glaubens ist:
Gott ist ein Gott, der mitgeht.
Wir sind auf der Reise nicht allein,
sondern Gott ist bei uns,
wohin wir auch gehen.

Die Geschichte aus der Bibel,
die ich heute Abend mitgebracht habe,
ist der Anfang einer richtig großen Reise.
Das Volk Israel ist in Ägypten und wird unterdrückt.
Sie dürfen keine Babys bekommen, sagt der Pharao.
Gott will mit ihnen auf die Reise gehen,
um sie zu befreien.
Deswegen schickt er ihnen Moses.

Im Buch Exodus,
im 2. Kapitel,
steht das so:

1Und es ging hin ein Mann vom Hause Levi
und nahm ein Mädchen aus dem Hause Levi zur Frau.
2Und sie ward schwanger und gebar einen Sohn.
Und als sie sah,
dass es ein feines Kind war,
verbarg sie ihn drei Monate.

3Als sie ihn aber nicht länger verbergen konnte,
machte sie ein Kästlein von Rohr
und verklebte es mit Erdharz und Pech
und legte das Kind hinein
und setzte das Kästlein in das Schilf am Ufer des Nils.

4Aber seine Schwester stand von ferne,
um zu erfahren, wie es ihm ergehen würde.
5Und die Tochter des Pharao ging hinab
und wollte baden im Nil,
und ihre Gespielinnen gingen am Ufer hin und her.
Und als sie das Kästlein im Schilf sah,
sandte sie ihre Magd hin und ließ es holen.

6Und als sie es auftat, sah sie das Kind,
und siehe, das Knäblein weinte.
Da jammerte es sie, und sie sprach:
„Es ist eins von den hebräischen Kindlein“.

7Da sprach seine Schwester zu der Tochter des Pharao:
„Soll ich hingehen und eine der hebräischen Frauen rufen,
die da stillt, daß sie dir das Kindlein stille?“

8Die Tochter des Pharao sprach zu ihr: „Geh hin“.
Das Mädchen ging hin und rief die Mutter des Kindes.
9Da sprach die Tochter des Pharao zu ihr:
„Nimm das Kindlein mit und stille es mir;
ich will es dir lohnen“.

Die Frau nahm das Kind und stillte es.

10Und als das Kind groß war,
brachte sie es der Tochter des Pharao,
und es ward ihr Sohn, und sie nannte ihn Mose […]

Das ist eine Geschichte von einem Wunder
in großer Not.

Wie verzweifelt muss die Mutter gewesen sein,
das sie ihr Kind in dieser kleinen Arche ausgesetzt hat.
Die Chancen, dass es auf dem Fluss überlebt,
erschienen ihr besser,
als dass es zu Hause von der Polizei gefunden wird.

Wie wunderbar hat Gott gefügt,
dass die Prinzessin den Jungen fand
und wie klug war seine große Schwester,
dass sie die Prinzessin angesprochen hat.

Wie wunderbar,
dass die Prinzessin gegen das Gesetz ihres Vaters handelt
und den jungen rettet.

Wie wunderbar,
dass die Mutter das eigene Kind bei sich hat wie eine Amme,
ganz legal,
und dann noch dafür bezahlt wird.

In wie viel Not
hat nicht der gnädige Gott
über dir Flügel gebreitet.
2

Moses wird aufwachsen wir ein Prinz,
geschult
und mit besten Verbindungen zum Hof des Pharao.
Er wird sich aber erinnern,
wo er herkommt,
und an der Spitze seines Volkes
und geborgen unter den Flügeln Gottes
mit ihnen aus Ägypten weggehen.

Aus ganz unscheinbaren Verhältnissen
kommt ein Held,
der großes vollbringt,
denn Gott ist ein Gott,
der mitgeht.

Die Geschichte von Jesus
beginnt auch in großer Not.
Dass Maria und Josef überhaupt reisen müssen,
ist der Kaiser in schuld.

Was ist das für ein Kaiser,
dem seine Steuern wichtiger sind,
als die Menschen?

Was ist das für eine Herberge,
wo der einzige Ort für eine Entbindung
der Stall ist?
Das einzige Kinderbett ein Futtertrog?

Wie wunderbar,
dass Gott dem Josef im Traum gesagt hat:

Fürchte dich nicht,
Maria zu dir zu holen.
Gott ist mit euch!

Wie wunderbar,
dass der Engel zu den Hirten ging,
– ausgerechnet zu Hirten! –
um ihnen als erstes
die gute Botschaft zu verkündigen.

Auf einer Reise
und in der Bedrängnis
kommt Gottes Sohn zu uns,
denn Gott ist ein Gott, der mitgeht.

Das meiste,
das wir über Jesus hören,
hören wir von seiner Reise.
Er geht von Nazareth hinauf nach Jerusalem.

Auf dem Weg heilt er Menschen.
Wunderbar!

Er erzählt Gleichnisse
und predigt das Evangelium.

Jesus hat seine Jünger stark gemacht
für ihre eigene Reise.
Er hat ihnen versprochen,
dass er immer bei ihnen sein wird.
Er hat ihre Reise
zu seiner Reise gemacht.

Jesus wurde gefangen genommen,
geschlagen
und er ist am Kreuz gestorben.
Am dritten Tage ist er auferstanden von den Toten,
damit alle Menschen sehen können:
Gott ist ein Gott, der mitgeht.
Auch auf deiner Reise ist Jesus bei dir.
Das ist das große Geschenkt,
das wir an Weihnachten feiern.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus!3 Amen.

1 1.Kor 1,3


2 ELKG² 585,3


3 Phil 4,7


Manuskript pdf, 160 KB)

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